Projekt: 1. & 2. Bauabschnitt | Modellfotos 1|500

1. & 2. Bauabschnitt | Modellfotos 1|500

Projekt: 1. Bauabschnitt | Aussegnungshalle mit Bürokomplex und Wohnhaus | Modellfoto 1|200

1. Bauabschnitt | Aussegnungshalle mit Bürokomplex und Wohnhaus | Modellfoto 1|200

Projekt: 1. Bauabschnitt | Modellfoto 1|200

1. Bauabschnitt | Modellfoto 1|200

Projekt: 1. Bauabschnitt | Modellfoto 1|200

1. Bauabschnitt | Modellfoto 1|200

Projekt: Lageplan 1|500

Lageplan 1|500

Projekt: Übersichtsplan 1|2000
Konzept

Übersichtsplan 1|2000 Konzept

Projekt: EG 1|100

EG 1|100

Projekt: OG 1|100

OG 1|100

Projekt: Detailschnitt 1|20

Detailschnitt 1|20

Projekt: Ansicht Süd-West 1|100

Ansicht Süd-West 1|100

Projekt: Ansicht Nord-Ost 1|100

Ansicht Nord-Ost 1|100

Projekt: Schnitt A-A 1|100

Schnitt A-A 1|100

Projekt: Schnitt B-B 1|100

Schnitt B-B 1|100

Projekt: Mausoleum 1|50

Mausoleum 1|50

Ein stiller Ort der Gegensätze -jeder trauert anders-

Lisa Eppel

Die Friedhofsinsel San Michele in Venedig soll unter Respektierung der bestehenden Anlage und unter Angemessenheit der in der Welt einzigartigen Situation erweitert werden. Das Raumprogramm ist in verschiedene Bereiche gegliedert. Ein Ansatz ist, diese Bereiche nicht additiv zu lokalisieren, sondern ein sinnvolles integratives, aber auch gleichermaßen ablesbares bauliches Geflecht und Gefüge zu entwickeln.

ENTWURF FÜR FRIEDHOFSERWEITERUNG SAN MICHELE IN VENEDIG FAKTEN San Michele ist eine Insel in der Lagune von Venedig zwischen Venedig und Murano, auf der sich der gleichnamige Zentralfriedhof von Venedig befindet. Die Insel hat einen annähernd rechteckigen Grundriss, mit einer Länge von 460 Metern, einer Breite von 390 Metern und einer Fläche von 17,6 Hektar. Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert befand sich hier ein Kloster der Kamaldulensermönche. Napoleon ordnete 1804 an, dass aus hygienischen Gründen die bestehenden Friedhöfe aus der Stadt zu entfernen und nach außerhalb zu verlegen seien. Die Mönche wurden 1810 von der Insel verbannt. Schließlich wurde der Friedhof auf der Insel San Christoforo eingeweiht. Doch schon 1835 musste die Insel, da der Friedhof zu klein geworden war, mit der Nachbarinsel San Michele vereinigt werden. Man schüttete einfach die Lagune, die die beiden Inseln trennte, zu. Die letzte Erweiterung erfuhr die Insel Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Dabei entstand eine axial angeordnete Anlage, die von hohen Mauern umgeben ist. Wegen Platzmangels müssen bislang die Gebeine nach ungefähr einem Jahrzehnt ausgegraben und danach in Ossarien beigesetzt werden. Erreichbar ist die Insel über die für Venedig typischen Vaporettos. Früher wurde am Totensonntag zusätzlich eine Pontonbrücke von Venedig zur ca. 800 Meter entfernten Toteninsel angelegt. Der bestehende Friedhof mit einem großen Baumbestand von Zypressen wird mit einer Ziegelmauer eingefasst, deren Oberkante bei + 5.00 m liegt, bezogen auf eine Bodenhöhe von +|- 0.00 m und einen Wasserstand, der normalerweise bei -2.00m liegt, bei Hochwasser bei -1.00 m. David Chipperfield hat den Wettbewerb der Friedhofserweiterung 1998 gewonnen. In der ersten Phase ist eine Komplettierung des Rechteckes der Insel von ca. 15.000 m² im Nordosten, in der zweiten Phase eine Erweiterung auf der Ostseite um nochmals ca. 45.000 m² vorgesehen. Der erste Bauabschnitt wurde bereits 2009 fertiggestellt. AUFGABE Die Friedhofsanlage San Michele in Venedig soll unter Respektierung der bestehenden Anlage und unter Angemessenheit der in der Welt einzigartigen Situation erweitert werden. Es sollen erkennbare Räume von Übergängen geschaffen werden. (Leben - Tod, Wasser - Land, Erde - Himmel) Es wird eine persönliche, architektonische Haltung zum Thema erwartet. (Sprache, Ausdruck, Zeitlosigkeit, Zurückhaltung, Atmosphäre, ...) Das Raumprogramm ist in verschiedene Bereiche gegliedert. Ein Ansatz wird sein, diese Bereiche nicht additiv zu lokalisieren, sondern in ein sinnvolles integratives, aber auch gleichermaßen ablesbares bauliches Geflecht und Gefüge zu entwickeln. Neben der (oder den) baulichen Gebäudeanlage(n) sollen für die Freiflächen des 1. und 2. Bauabschnittes eine Erschließungsstruktur für die Gräber und die Urnenwände, sowie Wegeverbindungen zur bestehenden Anlage sowie zum 2. Bauabschnitt vorgeschlagen werden. IDEE EIN STILLER ORT DER GEGENSÄTZE - JEDER TRAUERT ANDERS- LEITGEDANKE Jeder wird irgendwann einmal mit dem Thema Tod konfrontiert. Und bei jedem wird es anders sein. Daher war es für mich wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem jede Konfession, jedes Alter, jeder individuelle Charakter auf seine Art trauen und loslassen kann. Daher spiele ich mit Kontrasten, die aber nicht immer vordergründig wahrgenommen werden sollen. Dennoch wird jeder seinen Bedürfnissen entsprechend einen geeigneten Weg finden; um sich an diesem einzigartigen Ort wohl zu fühlen. ENTWURF - Erdaufschüttung schützt anstelle der fehlenden Ziegelmauer die Anlage - über einen mäanderförmigen Weg überwindet man den Höhenunterschied von 2.80 m - der Weg führt durch eine Grünanlage mit vielen schattenspendenden Bäumen - Friedhofsanlage soll auch als Parkanlage gesehen und genutzt werden, da in Venedig selbst sehr wenige Grünflächen angelegt sind - als Kontrast zu der großen Grünfläche liegt auf dem Weg auch ein kleiner kahler Platz, gefasst von zwei Meter hohen Wänden - dieser Platz dient als Trauerhaltestelle, ein geschützter und uneinsichtiger Ort. Dort hat der Besucher die Möglichkeit sich hinzusetzen und zu verweilen. Er kann aber auch tätig werden, indem er an die Sichtschutzwände etwas mit Kohlestiften schreibt - einen Namen, ein Gefühl oder einen Wunsch. Durch die Verwitterung hinterlässt die Natur Spuren - Lebensspuren. EINFLUSS DER BESTANDSBEBAUUNG - bestehende Wegeführung wird aufgegriffen - Baumbestand wird durch viele weitere Bäume verstärkt und ebenso axial angeordnet - die Insel umfassende Außenmauer wird bewusst als Kontrast zum Bestand mit anthrazitfarbenen Backsteinen weitergeführt - die vorhandene Orthogonalität beeinflusst die Kubatur der Aussegnungshalle - die Ausrichtung der Anlegestelle geht auf den bereits vorhandenen Schiffsverkehr ein - Differenzierung von Urnen- und Grabfeldern KUBATUR Die Aussegnungshalle besteht aus zwei ineinandergreifenden U-Formen. Durch das Ineinandergreifen entstehen drei Bereiche: - zwei Außenbereiche, die sich je zu einer Seite öffnen, dadurch sind Eingang und Ausgang geschützt und klar definiert - eine gemeinsam umschlossene Mitte, das Herzstück und somit die gut geschützte Aussegnungshalle im Inneren - die 3 m dicken U-Formen wirken von außen sehr massiv, stark und robust. In ihnen liegen alle „Sonderfunktionen“, wie Glocken- und Aussichtsturm, witterungsgeschützte Sitznischen, Erschließung, Empore mit Chorbereich und Orgel, Lagerräume, Wasserhof und Sanitäranlage. Die Aussegnungshalle ist als Solitär konzipiert. Daher stören Zusätzliche Dächer, die die Menschen vor Witterung schützen. So wird im Eingangsbereich die dicke Außenwand ausgehöhlt, um geschützte Sitznischen zum Verweilen zu schaffen. Die ansteigende, bzw. abfallende Form der massiven Mauer steht für das Leben der Menschen - „auf vielen Kurven und Irrungen von der Erde zum Himmel“. Der Eingang liegt an einem der Hochpunkte der Anlage. Man wird durch die abfallende Form automatisch in die Halle hinunter geführt. Verstärkt wird dies zudem durch die geknickte Dachform, die ihre Hochpunkte über Ein- und Ausgang hat. Der mäanderförmige Weg hat Wandnischen, durch die Licht in die Halle trifft und die als Sitzgelegenheit genutzt werden können. Er gewährt gezielte Einblicke in die Halle. Die Anlage wirkt von außen sehr massiv mit klaren Linien und orthogonalem Grundriss. Im Inneren jedoch wird man von einem aufgelockerten Grundriss, der mit der Orthogonalität bricht, überrascht. WEGEFÜHRUNG -DER INSZINIERTE WEG- Diese mäanderförmige Wegeführung über Rampe zur Aussegnungshalle führt vorbei an vielen Bäumen und einer Trauerhaltestelle. Jeder kann für sich entscheiden, ob er eine Rast einlegen oder direkt weiter gehen möchte, um die Schwelle zu „den Toten“ zu überwinden. Die Erdaufschüttung dient auch zum Schutz und übernimmt die Funktion der umlaufenden Ziegelmauer, die hier für Anlegestelle und Zugangsbereich weichen muss. -DER DIREKTE WEG- Er ist für alle, die wenig Zeit haben, nicht zur Trauerfeier gehen oder nur zu einem Grabbesuch kommen. - DER VERBINDUNGSWEG- Er verbindet die Bestandsbebauung mit dem 1. und 2. Bauabschnitt -DER LETZTE WEG- Eine uneinsehbare Anlieferung der Särge zu Krematorium oder Kühlzellen wird gewährleistet. Wichtig hierbei ist, dass der Weg des Sarges die Wege der „Lebenden“ nicht kreuzt. -DER BESCHÄFTIGTE WEG- Darunter versteht man ein von der Öffentlichkeit abgegrenzter Zugang für die Bewohner der Insel, sowie für alle Mitarbeiter. MATERIAL Die Ziegelmauer der Bestandsbebauung wird weitestgehend aufgenommen, allerdings bewusst mit dunklen anthrazitfarbigen Backsteinen. Man darf deutlich sehen, dass es sich nicht um einen Anbau, sondern um einen neuen Entwurf, der zwar auf den Bestand eingeht, handelt. Die Innenwände sind mit einem weißen Kalkputz versehen und stehen im Kontrast zu der dunklen Außenfassade. Im Inneren der Aussegnungshalle werden viele harte Materialien, wie Glas und Beton verwendet. Dies wirkt sich ungünstig auf die Raumakustik aus. Zur Verbesserung des Raumklanges sind die lichtreflektierenden Oberflächen der Lichtschlitze mit einer Akustikdämmung versehen. Das Wohnhaus sowie der komplette Verwaltungstrakt mit Betriebshof haben eine vorgehängte Sichtbetonfassade. Aufgrund der Zweigeschossigkeit und des Aussichtsturmes sind die Dächer der eingeschossigen Gebäude gut einsehbar. Eine architektonische Bearbeitung der fünften Fassade ist daher sehr wichtig. Als dekorative Flachdachabdeckung bei gleichzeitiger Wärmedämmung wird Glaskies verwendet. Dabei unterscheiden sich die Dächer in dezenten Grauabstufungen. LICHT Die Halle wird aufgrund der massiven und prägnanten Außenwände über eine großflächige Fensteröffnung in der Süd-Ost Fassade belichtet. Diese bietet gleichzeitig einen Ausblick auf einen gefassten Wasserhof. Des Weiteren verfügt die Halle über mehrere Tageslichtspots. Durch die unterschiedlich geneigte Dachfläche fällt je nach Sonnenstand das Tageslicht durch die Spots. So erstrahlt die Halle zu jeder Tageszeit in einem anderen Licht. Man bekommt deswegen auch ohne direkten Ausblick ins Freie ein Gefühl für die richtige Tageszeit. Die langen Lichtschlitze in der Wand haben eine reflektierende Oberfläche, so dass genügend Tageslicht in die Halle trifft. Außerdem sind dort zusätzliche LED Leuchten eingebaut, um die gewünschte, interessante und gezielte Belichtung auch am Abend oder an trüben Tagen zu erzielen. Zusätzlich ist die Halle mit abgehängten weißen Betonlampen ausgestattet.

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