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Gleismeile in Frankfurt am Main

Daniel Rohloff

Die Gleismeile in Frankfurt Main ist meine Antwort auf der Suche nach angepasster zeitgenössische Architektur im klassischem Stadtraum. Der 340 m lange Riegel greift dabei ganz bewusst auf den Wert und die Wirkung des Ziegels an diesem Ort zurück. Das Mauerwerksmaß prägt Konstruktion und Struktur.

 

DAS GUTLEUTVIERTEL

Die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts prägte die heutige Metropole Frankfurt am Main wie so viele Städte maßgeblich. In diesem Zuge siedelten sich zahlreiche Produktionsstätten radial um die bestehende Kernstadt an. Als Motor dieser Epoche und den aufstrebenden Ansprüche ihrer Protagonisten entsprechend mobilisierte die Eisenbahn die Europa in dieser Zeit. Die Eisenbahn lieferte nicht nur die zur Produktion notwendigen Rohstoffe und Güter an die Orte der Weiterverarbeitung, sie fertigte in noch größerem Stil den Warentransport von den Produktionsstätten zu den Endverbrauchern ab. Das Frankfurter Gutleutviertel erzählt die Geschichte der späten Industrialisierung der Stadt noch heute beispielhaft. Trotz starker - baulicher - Zerstörung im zweiten Weltkrieg sind die gründerzeitlichen Prinzipien im Städtebau noch immer lesbar. Neben dem konsequenten Straßenraster, in deren Mitte die heutige "Gutleutstraße" als Einfallstraße in und aus der Stadt auffällt zeigen sich die Gebäude im Groß sehr homogen und zeugen vom gemeinsamen Ziel, gute Stadträume zu schaffen.

Die Parzellierung entlang den Straßen erzählt von der vielseitigen Nutzerstruktur und den verschiedenen Geschmäcker der Gebäudeeigentümer. Im starken Kontrast dazu zeigen sich die Industriebauwerke. Aufgrund der idealen Lage westlich der Kernstadt, eingebettet zwischen dem Main im Süden und dem Gleiskörper im Norden bot sich der Transport und Austausch größter Stückzahlen und Einheiten besonders an. Der heute "Westhafen" genannte ehemalige Sicherheits- und Handelshafen ist als Auftakt verschiedener noch heute im Stadtteil erkennbaren Besonderheiten zu sehen. Um den energetischen Anforderungen der expandierenden Gesellschaft und Wirtschaft der Stadt Schritt halten zu können, errichteten die Ahnen des Viertels im Gutleutviertel die "Frankfurter Gasanstalt" sowie ein Petroleum-Magazin. Diese befand sich unmittelbar westlich der ehemaligen Infanterie-Kaserne.

Der Güterbahnhof begleitete den Gleiskörper auf den letzten Metern bis zum Kopfbahnhof im Herzen der Stadt. Dieses Leutturmprojekt des späten 19. Jahrhunderts bewirkte die langfristige Zentralität des fußläufig erreichbaren Gutleutviertel. Der Hafen war früher geprägt von großvolumigen Baukörpern, die trotz ihrer Lage im städtischen Raum sowohl hinsichtlich ihrer Tiefe als auch bezogen auf Höhe und Länge das städtebauliche Bild kontrastierten. Die Speicher mit ihren mondänen Ziegelfassaden zeugen möglicherweise am eindeutigsten vom Wandel des Quartiers. Prägten früher Arbeiter und Händler das Bild der Stadt, wohnen heute ausschließlich Gutverdiener in den ortsuntypischen und gleichförmigen Renditeobjekten entlang des Mains. Im direkten Gegensatz dazu hat sich nur ein Steinwurf entfernt das Kohlekraftwerk in der Stadt gehalten und zeigt so noch ein wenig vom alten Charme des Gutleutviertels.

Diese heterogene Gesamtanlage ist prägendes Element. In den gründerzeitlichen Baublöcken zu den Bahngleisen wohnen heute vorwiegend Mittelständler und sozialschwächere Menschen und müssen unter dem Mietpreisdruck der Banker und Investoren leiden. An dieser Stelle möchte ich ansetzen.

 

DIE THESE

Ich stelle die Behauptung auf, dass die Probleme im unbelebten Westhafen-Quartier und im insgesamt heruntergekommen anmutenden Gutleutviertel unterschiedlichster Natur sind. Ich glaube nach den gesammelten Eindrücken und Diskussionen leider nicht an eine gesellschaftliche Vermischung der Bewohnerstrukturen. Das bauliche Angebot wie Wegebeziehungen und Straßenüberquerungen ist längst gemacht - trotzdem nähern sich die Bewohner einander nicht an. Die Gentrifizierung am Hafen hat längst begonnen und die Menschen, die dort wohnen, scheinen nicht an gutem Stadtraum und gemeinsamen Stadtleben interessiert zu sein. Die Schlussfolgerung darin besteht darin den Eingriff im Herzen des alten Gutleutviertels zu leisten.

Das Ziel dieses Eingriff soll es sein, im Duktus des Bestehenden weiterzudenken und das Quartier durch einen neuen Impuls aufzuwerten. Durch meinen Entwurf wird sich der Stadtraum verändern ohne dass hierfür vorherige Strukturen überzeichnet oder unzählige Abrisse getätigt werden müssen. Entlang der Mannheimerstraße, der Straße zwischen den Stadthäusern und dem Gleiskörper im Norden schlage ich einen nahezu durchlaufenden Baukörper vor. Dieser Baukörper spinnt trotz seiner Länge von über 300 Metern den gründerzeitlichen Stadtraum weiter. Er öffnet sich im Erdgeschoss der Öffentlichkeit und wird in den oberen Etagen zusätzlich privater und introvertierter.

Der Straßenraum vor dem Gebäude wird neu und im Einklang mit dem Bestand gestaltet. Der große Gewinn für alle Bewohner liegt aber in der Reduzierung des Lärmes, den die Züge auf dem Weg zu und vom Hauptbahnhof emitieren. Ich behaupte, dass das Gutleutquartier gerade durch diesen Aspekt extrem profitieren kann und zu alter (Wohn-)Qualität zurück kommen kann. Der Stadtraum läuft derzeit ungefiltert in die großflächige Bahnanlage ebenso hinein wie der Lärm in das Quartier. Mein Entwurf setzt diesen unklaren Übergängen ein Ende. Beide Räume werden entschieden voneinander getrennt um so die Qualität für alle Bewohner zu erhöhen, ohne dass sie zunächst selber investieren müssen.

Die architektonisch konzeptuelle Idee des Gebäudes besteht darin, "zwei Scheiben" zu stellen. Eine Scheibe steht in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen und gibt sich in erster Linie verschlossen, die andere Scheibe steht entlang der Mannheimerstraße und ist so stark geöffnet, dass sie maximale Transparenz und Vernetzung zwischen Anwohnern und Stadtraum ermöglichen kann. Die einzelnen 'Häuser' oorientieren sich in einem zweiten Schritt zwischen den Scheiben parallel zur Straße in Ost-West-Richtung. Die vorgeschlagenen Nutzungen im Erdgeschoss sollen allen Bewohnern des Viertels und gerne auch aus der Umgebung dienen und das öffentliche Leben zurückholen.

Teilweise kommerzielle, in großen Teilen aber auch privat organisierte Einrichtungen sollen die Mischung, die den europäischen Stadtraum seit jeher prägt, zurückholen und als Taktgeber für weitere Projekte dienen. Das Gebäude selber bildet dabei kein öffentliches und doch introvertiertes Zentrum sondern bietet sich auf seiner ganzen Länge anderen Menschen an, bildet andere Räume aus und lässt die Frage zur Stadterweiterung gen Westen im Falle eines Rückbaus des heutigen Kraftwerkes offen. Trotz seiner Länge verbaut das Haus keine Blickbeziehungen und sperrt niemanden aus.

 

DIE ARCHITEKTUR

Der Entwurf bezieht sich nicht nur in seiner städtebaulichen Kubatur und der gezielten Platzierung auf seine Umgebung. Auch die Architektursprache ist als direkte Antwort auf die Umgebung zu werten. Die Idee von den beiden Scheiben wurde von Beginn an in Kombination mit einem rötlichen Verblendmauerwerk gedacht und entsprechend behandelt. Der Ziegel als 'das' Material der Industrialisierung in Europa und auch dem Wohnungsbau der Zwanziger Jahre in Frankfurt erscheint mir als schlüssige Material um an diese Tradition anzuknüpfen. Die Wohnblöcke im Inneren des Hauses zeigen sich dagegen ganz im Stil der Moderne.

Reduzierte geometrische Formen, schwarze Fensterprofile, verputzte und weiß gestrichene Wandflächen erinnern ebenfalls an den Frankfurter Sozialwohnungsbau der Zwanziger Jahre. Der besondere Arkadengang im ersten Obergeschoss entlang der Mannheimer Straße ist das Gegenstück zu den Ziegelscheiben. Er dient als halböffentliche Erschließungsstraße, die zum Verweilen, zum Warten und zur Verbindung der Nachbarn untereinander einlädt. Dieser Korridor zeigt sich nach außen hin deutlich in Form zweier expressiv geschwungener Sinus und Cosiunus Kurven, die als Flugdächer in den Straßenraum ragen. Rückseitig und in den Fugen der Baublöcke finden sich gemeinschaftlich nutzbare Gärten, die dank des Bodenaufbaus auch Bäume beeinhalten können.

Abgesehen von den notwendigen Treppenhäusern in den Blöcken gelangt man über die große Freitreppe mit Sitztufen im Westen und die eingeschobene Treppe im Osten auf den Korridor. Insgesamt, so glaube ich, ermöglicht das Gebäude neue Nachbarschaftsstrukturen die vorallem von der baulichen Vielschichtigkeit der Räume profitieren wird. Diese Nachbarschaft soll sich gerade durch das Nutzungsangebot im Erdgeschoss bis in das Viertel hinein ausbilden. Das Haus wird dadurch offen für alle.

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