Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt: Projekt:

Idealistisches Gasthaus

Julia Kaulen | Klara Bindl

Das Idealistische Gasthaus ist eine romantische Idee unserer Gegenwart. Es stellt der komplizierten Wirklichkeit einen Ort gegenüber, der von der Schlichtheit menschlicher Bedürfnisse geprägt wird. Der Backstein ist das Material, das den heterotopischen Raum des Gasthauses in der Stadt manifestiert.

Idealismus beschreibt das Bewusstsein, dass Ideen Wirklichkeit generieren. Die gegenwärtige Wirklichkeit lässt sich in ihrer Komplexität nicht mehr in räumlichen Strukturen ablesen. Die den Alltag bestimmenden Strukturen sind nicht mehr nachvollziehbar. Sie scheinen sich dem Bewusstsein des Menschen zu entziehen. Dieser Zustand löst ein Verlangen nach seinem Gegenpol aus. Die Romantik unserer Gegenwart ist die Sehnsucht nach einer Reduktion auf das Ursprüngliche. Das Idealistische Gasthaus erwächst aus diesem Verlangen nach Einfachheit im städtischen Zusammenleben. Es stellt der komplizierten Wirklichkeit einen Ort gegenüber, der von der Schlichtheit menschlicher Bedürfnisse geprägt wird. Es ist ein Ort der Mahlzeit, ein Ort des Nachtlagers, ein Ort der der Reinigung. Die gemeinschaftliche Befriedigung dieser ursprünglichen Triebe verbindet und generiert einen Ort der Gastlich- und Geselligkeit. Der Backstein ist das Material, das die Heterotopie des Gasthauses in der Stadt manifestiert. Zugleich ist er die Verstofflichung des ihr zugrundeliegenden idealistischen Denkens. Das Schaffen einer Behausung ist seit jeher ein Grundbedürfnis des Menschen. Das Nutzen der Erde dafür die naheliegende Folge. Der daraus geschaffene Ziegel ist das archetypische Baumaterial. Er verkörpert das Urbild von Behausung in der städtischen Gegenwart. Das Mauern von Steinen ist, wie die Zubereitung von Speisen, ein Ausdruck handwerklicher Fertigkeit. Das Material gibt in seinen Eigenschaften Regeln vor, die die Erscheinung des Hauses bestimmen. Durch Anwendung, Wiederholung und Variation dieser Regeln generiert der Autor ein räumliches Unikat. Im Sinne des Idealismus wird das Gasthaus als Solches entwickelt. Der Backstein verortet das Gasthaus an seinem Standort Köln. Der überwölbte Eingang und der geschwärzte Steinboden formen den Übergang der städtischen Umwelt zum heterotopischen Innenraum. Die auf den einzelnen Raum abgestimmte Materialanwendung macht die dort stattfindenden Handlungen ablesbar. Ihre räumliche Wahrnehmung wird intensiviert. Der Gewölbekeller ist konstruktive, sowie in seiner Nutzung als Speisekammer, funktionale Basis des Hauses. Der Garten ist als Quelle der Mahlzeit in rohem Stein gefasst. Wie bei Kachelöfen sind die den Schornstein formenden Steine außen lackiert, innen vom Ruß der Feuerstelle geschwärzt. Die Tafel als Ort der gemeinsamen Mahlzeit ist, in Analogie zu dem Gewölbchen im Kölner Wohnhaus, als Schatzkammer des Hauses ablesbar. Der dem Projekt innewohnende Idealismus verlangt die reine Anwendung des Ziegels. Das Material fasst und formt die romantische Idee. So wird es selber in seiner, gegenwärtig fast vergessenen, Vielfalt exponiert. Der Idealismus bestimmt auch die grafische Darstellung der Idee. Reduzierte, handwerklich geschaffene Bilder zeigen die erweiterte Wirklichkeit auf. Die erweiterte Wirklichkeit nähert sich so immer weiter der Realität an. Das Idealistische Gasthaus ist ein räumliches Manifest der Romantik unserer Gegenwart.

Poste Deinen Kommentar zu diesem Projekt!

Teilen Deine Gedanken zu diesem Projekt und hinterlasse ein persönliches Feedback. Fülle dazu einfach die nachfolgenden Felder aus und bestätige Dein Posting durch Klick auf den Link in der Bestätigungs-Mail.

Ich möcht den Backstein-Newsletter abonnieren.

Hiermit stimme ich den Nutzungsbedingungen zu.*

*Pflichtfelder