Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Projekt:


 

Kunsthaus Stralsund

Benjamin Lindner

Der Entwurf beschreibt einen komplexen Baukörper aus Galerie- und Wohngebäude. Er schließt eine prominente Kriegslücke im Gefüge der hanseatischen Altstadt Stralsunds und führt gleichzeitig das dichte Netz aus unterschiedlichen urbanen Räumen fort.

 

ORT

Entwurfsstandort ist eine Baulücke innerhalb des Nikolaiquartiers. Das Nikolaiquartier liegt im Norden der Stralsunder Altstadt. Es ist die höchste Erhebung der Altstadtinsel und nachweislich ältester Siedlungsort der Hansestadt. Das Nikolaiquartier wird begrenzt von Ossenreyerstraße, Badenstraße, Bechermacherstraße und Semlower Straße, sowie dem Alten Markt. Namensgebend ist die im Blockinneren befindliche Nikolaikirche. Mit der Kirche, dem Rathaus und dem Alten Markt versammeln sich geistliche, politische und wirtschaftliche Macht an einem Ort. Die zweitürmige Nikolaikirche dominiert den Ort durch Masse und Höhe. Die umgebende Blockrandbebauung geht respektvoll auf Abstand. Die Gebäude stehen traufständig zur Straße, im Gegensatz zu den stadtbildprägenden Giebelhäusern.

Das Rathaus steht weniger respektvoll quer vor dem Hauptportal der Nikolaikirche und richtet seine Schaufassade zum Alten Markt. Bemerkenswert ist hier der palazzoartige Innenhof der Vierflügelanlage. Das Nikolaiquartier ist durchzogen von einem Netz öffentlicher Räume. Der Alte Markt, der Rathausinnenhof und der Nikolaivorplatz sind über Passagen eng miteinander verbunden. Außerdem öffnen kleinere Durchgänge entlang der Badenstraße und Bechermacherstraße den Nikolaikirchhof zu den umliegenden Straßenräumen. Das Entwurfsgrundstück ist ist eine Baulücke an der Südseite des Rathauses. Sie war ursprünglich von vier traufständigen Wohnhäusern besetzt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Durch den offenen Blockrand überlagern sich an diesem Ort verschiedene Typologien und Charaktere städtischer Räume: Die Badenstraße als linearer Straßenraum, die eine wichtige Verbindung von der Fußgängerzone zum Hafen bildet.

Der ehemalige Wendemarkt, der durch eine Aufweitung der Badenstraße entsteht und Bewegungen aus verschiedenen Richtungen auffängt. Der Nikolaikirchhof, der sich zwischen Kirchenschiff und umgebender Blockrandbebauung aufspannt und einen städtischen Grünraum bildet. Und zuletzt der steinerne Nikolaivorplatz, der sich zwischen Kirchportal und Rathausflanke befindet.

 

PROGRAMM

Aufgrund seiner städtebaulichen Prominenz ist der Ort prädestiniert für eine öffentliche Nutzung. Außerdem soll das Programm durch Wohnen ergänzt werden. Die Region um Stralsund mit der Insel Rügen war und ist Wirkstätte vieler Künstler. Trotzdem existieren in der Stadt Stralsund - außer einem kleinen Bereich im Kulturhistorischen Museum - keinerlei Ausstellungsflächen für die Bildenden Künste. Der öffentliche Teil des Programms soll daher einen Ausstellungsort für Werke lokaler Künstler bieten. Genauer gesagt soll eine privat betriebene Kunstgalerie für Werke des 20. und 21. Jahrhunderts entstehen. Zusätzlich sollen in dem Haus Veranstaltungen und Workshops z.B. für Schülergruppen möglich sein.

Das Programm wird ergänzt durch eine Wohnung mit Atelier und Werkstatt, die beispielsweise von einem Künstler oder dem Galeristen selbst bewohnt werden kann.

 

VOLUMEN

Die Herausforderung bestand darin mit der Setzung des Volumens die diffuse stadträumliche Situation zu klären. Der neue Baukörper schließt die Flucht der Badenstraße und stellt den historischen Blockrand wieder her. Zu beiden Seiten belässt er Durchgänge, die das Blockinnere mit dem Straßenraum verbinden. Durch das Zurücksetzen eines Teils des Baukörpers werden die zuvor genannten urbanen Räume neu gefasst: Der grüne Kirchhof, der steinerne Nikolaivorplatz, sowie der Wendemarkt. Die entstandenen Passagen verbinden die neu konturierten Stadträume und setzen die bestehenden Raumsequenzen des Nikolaiquartiers fort. Die ansteigenden traufständigen Dächer vermitteln zwischen der niedrigen Wohnbebauung im Osten und dem benachbarten Rathaus. Durch die Untergliederung des vorderen Volumens wird die Körnung entlang der Straße fortgeführt.

Sie ist außerdem ein Abbild der inneren Nutzungsverteilung: Der östliche kleinste Baukörper beherbergt das Wohnen. Er ist dreiseitig belichtet und grenzt rückseitig an den ruhigen Kirchhof. Die beiden größeren Baukörper im Westen beinhalten die Räumlichkeiten der Galerie. Der von ihnen aufgespannte Vorplatz schafft eine intuitive Eingangsgeste. Der freigestellte Giebel unterstreicht die öffentliche Präsenz der Galerie und bildet die Adresse zur Stadt.

 

GALERIE

Die Galerie erstreckt sich über fünf Ausstellungsräume und ein Foyer. Die Räume sind auf drei Geschosse verteilt und über zwei Treppenkerne zu beiden Enden miteinander verbunden. Dem Kurator bieten sich dadurch verschiedene Rundgangszenarien. Außerdem können einzelne Räume abgekoppelt und getrennt voneinander bespielt werden. Die geschlossenen Treppenräume belassen den Ausstellungsräumen auf der ansonsten geringen Gebäudegrundfläche ein Maximum an Wandfläche. Jeder der Räume entwickelt seinen eigenen Charakter durch verschiedene Belichtungen, Blickbeziehungen und Deckenhöhen. Oberlichter im Dach belichten die beiden Räume des oberen Geschosses mit Nordlicht. Einzelne großformatige Öffnungen lenken den Blick des Besuchers auf die umliegenden Stadträume.

Ein niedrigerer Ruhebereich bietet Ausblick auf den Kirchhof und Richtung Hafen. Der vordere Ausstellungsraum kommuniziert über ein Fenster an der Giebelseite mit dem Wendemarkt. Der erdgeschossige Ausstellungsraum eignet sich durch seine niedrige Raumhöhe besonders zur Ausstellung von Grafiken und anderen Kleinformaten. Ein Tiefhof versorgt die Räume des unteren Geschosses mit Tageslicht und kann zudem selbst für Ausstellungen im Außenraum genutzt werden. Die Garderobe ist an das Foyer angegliedert. Ein WC befindet sich im Untergeschoss, ebenso ein Depot- und Packraum. Ein Lastenaufzug verbindet alle Ebenen und dient der barrierefreien Erschließung sowie dem Transport der Kunst.

 

WOHNHAUS

Das Wohnhaus beherbergt eine Wohnung mit Galerie und Werkstatt. Erschließung und Nebenräume sind in einer raumhaltigen Schicht konzentriert. Die Wohnräume befinden sich an der Stirnseite des Gebäudes. Mittelpunkt bildet das Obergeschoss mit Küche und Kamin. Der Wohnbereich öffnet sich großzügig in den Dachraum. Der Kochbereich wird von einer Galerieebene gedeckelt, die Raum für Rückzug bietet. Ein weiterer Individualraum befindet sich im Hochparterre. Das Untergeschoss erstreckt sich weit unter den Kirchhof. Eine Werkstatt im vorderen Teil öffnet sich zum dahinter gelegenen Atelier. Der angrenzende Tiefhof sorgt für gleichmäßiges Nordlicht und bildet eine räumliche Verbindung zur Galerie.

 

KONSTRUKTION

Der angestrebte Charakter des Hauses war nicht der eines schicken Kunstmuseums, sondern vielmehr das Rohe, das Robuste und auch das Unfertige einer Werkstatt oder eines Speichergebäudes, die der ständig wechselnden Nutzung Ausdruck verleihen. Nach außen wiederum vermittelt das Haus Konstanz und zeigt sein schönes Gewand. Ein gemeinsamer Betonsockel verankert die drei Häuser im Erdreich. Als Weiße Wanne arbeitet er gegen die umgebende Feuchtigkeit und den Erddruck. Vier vertikale Betonkerne entwickeln sich in die oberen Geschosse. Sie bilden das funktionale Rückgrat des Gebäudes und beinhalten alle vertikalen Verbindungen: Erschließung, Lüftung, Haustechnik. Die monolithischen Außenwände sind gleichzeitig Tragschicht, Dämmschicht und Schutzschicht. Ihre äußere Schicht aus Wasserstrichziegeln ist in einem Verbund gemauert mit den tragenden und dämmenden Hochlochziegeln.

Regelmäßige Schichten eingedrehter Ziegel tragen diesen Verbund nach außen. Auf der Innenseite wird er vom Rhythmus der Hochlochziegel abgebildet. Während nach außen die Integration am Ort durch die rote Farbe des Backstein erfolgt, wird im Innenraum die Farbigkeit der Porotonsteine mit einer weißen Schlämme getüncht. Sie schafft einen neutralen Hintergrund für die ausgestellte Kunst. Gleichzeitig belässt sie dem Beton und den Ziegeln ihre rohen Charakter. Stehende Fensterformate untergliedern die großformatigen Öffnungen in der Fassade. Die Laibungen sind auf der Innenseite mit einem Holzrahmen ausgekleidet. Außenliegende Fensterläden ermöglichen eine gezielte Steuerung des Tageslichteinfalls. Die Decken sind als leichte hölzerne Ebenen in die Gebäudehülle eingehängt.

Ihre Lasten werden über Stahlkonsolen auf die umlaufenden Ringbalken abgetragen. Ein umlaufender Deckenrahmen fasst die regelmäßigen Rippen zusammen. Deren statische Höhe von 80cm erlaubt sehr hohe Punktlasten, z.B. das Aufstellen großer Skulpturen. Die Deckenfelder dazwischen nehmen die Beleuchtungs- und Hängetechnik auf. Darüber bilden zwei Lagen kreuzweise verschraubter Dielen den Boden. Auf eine Trittschalldämmung wird bewusst verzichtet. Man spürt die Anwesenheit anderer Ausstellungsbesucher, und die Klangatmosphäre erinnert an hanseatische Speichergebäude. Die Ebenen der oberen Geschosse liegen auf leicht unterschiedlichen Höhen. Die Stufen zur Überbrückung dieser Niveauunterschiede zwischen den beiden Räumen sind nicht Teil einer Treppe im herkömmlichen Sinn.

Stattdessen werden sie leicht scarpaesk aus einer in der Wand liegenden Betonschwelle entwickelt. Die Dächer sind als Pfettendächer konstruiert und sprechen als oberer Raumabschluss eine ähnliche Sprache wie die Decken. Die Kupferdeckung ist an den beiden gotischen Nachbarn orientiert, genauso wie der rote Ziegelton der Fassaden.

Poste Deinen Kommentar zu diesem Projekt!

Teilen Deine Gedanken zu diesem Projekt und hinterlasse ein persönliches Feedback. Fülle dazu einfach die nachfolgenden Felder aus und bestätige Dein Posting durch Klick auf den Link in der Bestätigungs-Mail.

Ich möcht den Backstein-Newsletter abonnieren.

Hiermit stimme ich den Nutzungsbedingungen zu.*

*Pflichtfelder