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Loft-Turm in Tilburg (NL)

Leben in der Skulptur

Ein schlanker Individualist inmitten der holländischen Stadt Tilburg: Im Loft-Turm von Bedaux de Brouwer nennen Stadtgenießer exklusiven Wohn- und Arbeitsraum inmitten der Altstadt ihr Eigen. Ein gelungenes Beispiel qualitätsvoller Backsteinarchitektur auf sehr begrenzter Fläche.
 

Die Planung für das schmale, keilförmige Grundstück schafft einen städtebaulichen und architektonischen Übergang zwischen der geschlossenen Seitenfassade eines neuen zweigeschossigen Geschäftskomplexes und der eher kleinmaßstäblichen Bebauung einer alten Tilburger Innenstadtstraße, der IJzerstraat.

Entlang der IJzerstraat wurde eine kammförmige Struktur mit vier schlanken Baukörpern vor die Fassade des neuen Geschäftskomplexes platziert. Die neu entstandenen Wohnungen beziehen sich typologisch auf den Maßstab der vorhandenen, direkt gegenüber liegenden Stadthäuser. Gleichzeitig nimmt sich die Architektur die Freiheit, auf die Charakteristik des rückwärtig gelegenen neuen Wohn-, Geschäfts- und Kinokomplexes (Entwurf: Bonell i Gil Arquitectes, Barcelona) zu verweisen.


Der Entwurf vereint also städtebauliche Sensibilität mit architektonischer Eigenständigkeit. Sämtliche Fassaden wurden auf dem Säulenraster errichtet. Direkt unter dem Gebäude befinden sich Fahrradkeller sowie Ladenlokale (Entwurf: Bedaux de Brouwer). Im 2. und 3. UG ist eine zweigeschossige Tiefgarage untergebracht (Entwurf: Bonell i Gil).

Kammstruktur
Durch die kammförmige Schachtelung haben die Häuser „herrenhausartige Silhouetten“ erhalten, die den urbanen Charakter der IJzerstraat betonen. Die Kammform ermöglicht nicht nur die Integration kleiner Innenhöfe für die Wohnungen mit Garten, sondern sorgt auch für einen optimierten Sonnenlichteinfall in der vorher schlecht belichteten Straße. Durch die gestaffelte Baulinie stehen auch die Süd­seiten der Wohnungen zur Belichtung zur Verfügung. Den Bewohnern bietet sich auf diese Weise nicht nur ein statischer Blick auf das jeweils gegenüber liegende Haus, sondern auch ein dynamischer Ausblick über die Längsachse der IJzerstraat. Die keilförmige Grundstücksform hat eine große Anzahl unterschiedlicher Wohnungstypen ermöglicht. Neben Wohnungen mit Garten und Apartments stehen Dachbungalows zur Auswahl, die über eine oben liegende Wohnstraße erschlossen werden.

Loft-Türme
In Tilburg verschwinden immer mehr charakteristische skulpturale Objekte aus dem Stadtbild. Die vorhandene Skyline wird zunehmend durch gelungene und weniger gelungene Wohnkomplexe ersetzt. Der Loft-Turm am Vreedeplein (Friedensplatz) fügt der Stadtsilhouette wieder ein skulpturales, zum Maßstab der Stadt passendes Element hinzu. Durch die sehr begrenzte Grundfläche (8 x 16 Meter in zwei Varianten, entsprechend dem Raster der Tiefgarage) ist ein schlanker, 35 Meter hoher Loft-Turm entstanden, in dem lediglich ein zweigeschossiger Geschäftsraum sowie vier zweigeschossige, frei übereinander gestapelte Wohnungen inte­griert wurden. Je nach Qualität des vorhandenen Ausblicks wurden die Fassaden der einzelnen Wohnungen wahlweise nach Osten, Süden oder Westen geöffnet. Zusätzlich belebt wird die Architektur durch verstellbare perforierte Lichtschutzelemente. Trotz des monolithischen Ausdrucks der Architektur ist der Anteil an Fensterflächen je Grundfläche in allen Loftwohnungen gleich. Jede Loftwohnung integriert ein flexibel einteilbares Zwischengeschoss sowie ein großes Eltern­schlafzimmer.


Bedaux de Brouwer Architecten, Goirle


Projektdaten
Kunde: Pieter Vreedeplein Ontwikkeling CV
Architekt: Jacques de Brouwer, Bedaux de Brouwer architecten BNA  
Energie-Standard: Epc = 1,0
Baukosten: 1.400,– € pro m² (ohne MwSt)

 

Nominiert für den Fritz-Höger-Preis 2008 für Backstein-Architektur in der Kategorie
„Geschosswohnungsbau“.


 

Bilder:

Quelle: http://www.backstein.com/de/fritz-hoger-preis/nominierte-projekte-2008/leben-in-der-skulptur/6_508.html