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Buchvorstellungen

Deutsches Architektur Jahrbuch 2013|14

Das seit 1980 vom Deutschen Architekturmuseum herausgegebene Deutsche Architektur Jahrbuch zeigt in Ausgabe 2013|14 erneut Beispiele aktueller Architektur in Deutschland und Bauten deutscher Architekten im Ausland. Diesmal sind es 22 herausragende Gebäude, hinter denen ganz unterschiedliche Bauaufgaben stehen.

Das Deutsche Architektur Jahrbuch 2013|14 präsentiert die 22 mit dem „DAM Preis für Architektur in Deutschland 2013“ ausgezeichneten Objekte. </br>Foto © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main

Das Deutsche Architektur Jahrbuch 2013|14 präsentiert die 22 mit dem „DAM Preis für Architektur in Deutschland 2013“ ausgezeichneten Objekte.
Foto © Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main

Im Fokus des diesjährigen Buches steht das mit dem „DAM Preis für Architektur 2013“ ausgezeichnete Kunstmuseum Ravensburg von Lederer + Ragnarsdóttir + Oei. Das in Stuttgart ansässige Büro pflegt einen eigenen Stil materialgesättigter, tektonischer Expressivität. Mit dem Kunstmuseum ist den Architekten sowohl in städtebaulicher Hinsicht als auch architektonisch in Ausdrucksqualität und Raumwirkung ein Meisterwerk gelungen.

 

TENDENZEN AKTUELLER ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND
Neben dem Kunstmuseum in Ravensburg findet sich in der Auswahl des Jahrbuchs ein weiteres Museumsprojekt: Die Sanierung und Instandsetzung der in der Schönen Aussicht an der Karlsaue in Kassel gelegenen Neuen Galerie.

 

Das Konjunkturpaket II sowie der Ansturm auf die Hochschulen durch die doppelten Abiturjahrgänge führte zu einer ganzen Reihe bemerkenswerter Hochschulbauten. Dazu zählt das das klar konturierte Hörsaal- und Verwaltungsgebäude der Hochschule Ansbach ebenso wie das Interims-Audimax der TU München in Garching, das trotz minimalem Budget eine schwungvolle Fassade erhielt. Eine äußerst sachliche Reduktion, die als Kultur der präzisen Enthaltung verstanden werden kann, zeichnet das SimTech und das analog dazu entstandene FZI der Universität Stuttgart aus. Ebenfalls aus einem bestehenden Entwurfsprinzip entwickelt wurde das neue Gebäude für Augenoptik und Hörakustik der Hochschule Aalen.

 

Und wie wohnen die Studenten? Neue Wohnungen zu schaffen vermag die Sanierung eines Bestandsgebäudes nicht, wohl aber die Qualität deutlich zu verbessern. Die Kriterien dafür wurden beim Studentenwohnheim Siegmunds Hof 13 in Berlin in einem intensiven partizipatorischen Prozess mit den Bewohnern entwickelt.

 

Im Spannungsfeld aus Wohnwünschen der Bauherren und konzeptioneller Haltung der Architekten sind zwei beachtliche Villen in Südwestdeutschland entstanden. Das Haus D10 ist in seinem gradlinigen Minimalismus eine faszinierende Fortsetzung des Themas Mies’sche Glashaus. Zudem ist das Haus ein Plus-Energie-Gebäude. Die Transformation einer zurückgenommenen statischen „Box“ zu einer emotionalisiert bewegten „Blob“ ist dagegen das Thema beim Haus am Weinberg.

 

In Bayrischzell wurde eine bestehende Hotelanlage erweitert und um vier Wohntürme, die jeweils einen kleinen „Lug ins Land“ auf drei Ebenen bilden, ergänzt. Das fein proportionierte Projekt gehört zu der großen Gruppe von neuen Gebäuden, die ein Weiterbauen des Bestands darstellen. Das neue Gebäude für das Theater und Philharmonische Orchester in Heidelberg etwa fasst ein Ensemble von vier Bestandsbauten innerhalb der Altstadt zusammen. Ebenso herausfordernd war die Aufgabe der Wiederherstellung des zentralen Lesesaals in dem riesigen Gebäudekomplex der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin. In Frankfurt am Main galt es im Gesellschaftshaus Palmengarten unterschiedliche architektonische Zeitschichten herauszuarbeiten. Die einmalige Raumfolge aus Palmenhaus, historistischem Festsaal und im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfenen Südfoyer wurde reanimiert und den technischen Erfordernissen der Gegenwart angepasst.

 

Die technische Anpassung an heutige Anforderungen war auch ein zentraler Aspekt bei den Planungen für das Pumpenhaus in Bochum. Um die ausdrucksstarke Anmutungsqualität der mit Mauerwerk ausgefachten Stahlkonstruktion im Inneren zu erhalten, bekam das Gebäude eine rational abstrakte neue Außenhülle.

 

Ein bewusstes Spiel aus Abstraktion und Irritation ist auch Teil des Entwurfs für eine kleine Brücke in Leverkusen-Opladen. Die beiden Rampenkörper der Brücke aus Corten-Stahl sind mit den Auflagern verschweißt und bieten das Bild massiver Skulpturen. Im Kontrast dazu ist der Mittelkörper der Brücke äußerst filigran gehalten.

 

In der diesmaligen Projektauswahl findet sich auch eine kleine Gruppe an Sakralbauten. Für die wachsende jüdische Gemeinschaft in Ulm ist ein Gemeindezentrum mit Synagoge entstanden, dessen markantes Zeichen das in die Fassadenecke eingeschnittene große Fenster mit Davidstern-Motiv ist. In Hamburg haben sich 19 christliche Kirchen zusammengeschlossen, um in der HafenCity ein gemeinsames Ökumenisches Forum zu errichten. Der Entwurf inmitten einer Blockrandbebauung macht lediglich mit konkaven und konvexen Wölbungen in der Fassade auf sich aufmerksam. Am augenfälligsten ist die Autobahnkirche an der A45 im Siegerland, deren Gestalt vom Kirchen-Signet auf Verkehrszeichen abgeleitet wurde. Sie ist ein seltenes Beispiel dafür, dass ein Gebäude selber Zeichen und Bezeichnetes ist.

 

Und schließlich ist noch von einem neuen Stadtbaustein in Berlin zu berichten. Der Tour Total ist ein wichtiges Element in der Entwicklung der Europacity, des Areals nördlich des Hauptbahnhofs.

 

ARCHITEKTUR INTERNATIONAL
Das Bauen entlang von Transitrouten kann zu einem höchst bemerkenswerten Wechselspiel von Landschaft und architektonischer Setzung werden, wie etwa bei den Raststätten, die in Georgien entstanden sind.

 

Eine neue Qualität der Versorgung zu bieten – hier für die Wohnbevölkerung in der Nachbarschaft – ist auch Teil des Konzepts für das Centre de l’Architecture en Terre in Mopti, Mali. Der Besucher findet dort eine Dokumentation der traditionellen Lehmarchitektur, den Bewohnern bietet das groß dimensionierte Waschhaus der Anlage aber auch Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen. In der nordchinesischen Metropole Tianjin ist im neuen Kulturpark der Stadt an einem kleinen See das Grand Theater entstanden. Unter einem abgestuften, weit auskragenden Dach sind Opernhaus, Konzerthalle und Multifunktionssaal vereint.

 

AUSSTELLUNG IM DAM DEUTSCHEN ARCHITEKTURMUSEUM
Alle in das Jahrbuch aufgenommenen Bauten werden ebenfalls im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt. Diese ist noch bis zum 11. Mai 2014 im dritten Stock des Museums mit dem emblematischen „Haus im Haus“ zu sehen.

 

Peter Cachola Schmal, Yorck Förster (Hrsg.)
DEUTSCHES ARCHITEKTUR JAHRBUCH 2013/14
Mit einem Vorwort der Herausgeber sowie zwei Essays: Klaus Grewe zur Herausforderung Großprojekte und Florian Heilmeyer zu Architekturgeschichten aus einem gar nicht so fernen Land: Georgien.
Erschienen im Prestel Verlag deutsch/englisch,
Softcover, 208 Seiten , Format 22 x 28 cm
ISBN: 978-3-7913-5295-4
Im Museumsshop: 29,95 EUR/Buchhandel: 39,95 EUR

DAM Deutsches Architekturmuseum | Publikationen

27 Social Housing | Luis Martínez Santa-Maria | © Roland Halbe | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014