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Forschung und Praxis

Vermeidung von Ausblühungen und Auslaugungen

Ausblühungen treten bei neu errichteten Ziegelfassaden häufig auf, wenn in der Bauphase eine übermäßig hohe Durchfeuchtung des Mauerwerks stattgefunden hat. Das sind wasserlösliche Salze, die in gelöster Form durch die Kapillarwirkung der Mauersteine an die Mauerwerksoberfläche transportiert und dort nach Verdunstung von Wasser auskristallisieren.
 

Foto: Fachverband Ziegelindustrie Nord

Foto: Fachverband Ziegelindustrie Nord

Die Ausscheidung der Salze an der Mauerwerksoberfläche kann eine vorübergehende Störung der Fassadenoptik zur Folge haben, die jedoch nur von kurzer Dauer ist. Ausblühungen an neu errichteten Backsteinfassaden verschwinden unter Einwirkung natürlicher Witterungseinflüsse von selbst wieder. Bei neu errichteten Verblendschalen aus mineralischen Baustoffen muss grundsätzlich immer mit Ausblühungen gerechnet werden, wenn eine starke Wasserbeanspruchung des Mauerwerks während der Bauausführung oder unmittelbar danach stattgefunden hat.

 

Dies ist z. B. der Fall, wenn die Verblendschale mit Salzsäure gereinigt wird. Dabei können größere Wassermengen durch die noch offenen Fugen ins Mauerwerk eindringen und später Ausblühungen verursachen. Auch kann der unsachgemäße Einsatz von Salzsäure Ausblühungen am Mauerwerk hervorrufen. Insbesondere bei Einsatz konzentrierter Salzsäure werden carbonatische Bestandteile im Mörtel angegriffen. Durch die Reaktion mit der Säure werden das neutrale Salz Calciumchlorid (CaCl2) sowie Wasser neu gebildet. Das neue entstehende Salz ist leicht wasserlöslich und kann in Verbindung mit Regenwasser oder als Folge von Wasserbehandlung des Mauerwerks vor und nach der Reinigung an die Mauerwerksfläche transportiert und dort abgelagert werden. Die an der Mauerwerksoberfläche verbleibenden Säurereste tragen nach Verdunstung von Wasser dazu bei, dass das Mauerwerk fleckig und unansehnlich wirkt.

 

Ausblühungen an neu errichteten Mauerwerksoberflächen verschwinden innerhalb der ersten zwei Jahre unter Einwirkung von Regen und Wind von selbst. In dieser Zeit stellt sich die so genannte Gleichgewichtsfeuchte der Außenwand als Folge der Beheizung der Innenräume und Feuchtigkeitsverdunstung an der Außenfläche allmählich ein. Bis dahin können immer wieder leichte Ausblühungen an der Mauerwerksoberfläche sichtbar werden, welche allerdings in der Intensität und Erscheinungsform eine deutlich abnehmende Tendenz erkennen lassen.

 

Der Unbedenklichkeit der Ausblühungen an neu errichteten Mauerwerksflächen trägt eine von dem Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau herausgegebene Broschüre (Leitfaden über hinzunehmende Unregelmäßigkeiten bei Neubauten) Rechnung, wenn es dort heißt: „Ausblühungen aus leicht löslichen Salzen, die häufig kurz nach der Fertigstellung des Bauteils auftreten, sind in gewissem Umfang hinzunehmen. Sie werden in der Regel durch den sogenannten Selbstreinigungseffekt des Witterungsflusses im Laufe der Zeit von selbst beseitigt bzw. können an Flächen einfach (z. B. durch Bürsten) entfernt werden.“

 

Keine chemischen Reinigungsmittel oder salzsäure einsetzen

Reinigung

Zur Beseitigung von Ausblühungen an Mauerwerksoberflächen dürfen grundsätzlich keine chemischen Reinigungsmittel oder Salzsäure eingesetzt werden. Chemische Reinigungsmittel reagieren weniger mit den meist sulfathaltigen Ausblühungen, sondern sie können zusätzliche Verunreinigungen oder irreversible Verfärbungen an der Mauerwerksoberfläche verursachen. Eine zusätzliche Reinigung ist nur dann erforderlich, wenn der natürliche Abwascheffekt des Regens nicht einwirken kann. Zur Reinigung solcher Ausblühungen reicht es völlig aus, wenn die betreffenden Flächen trocken oder in Kombination mit wenig Wasser abgebürstet werden. Bei hartnäckigen Ausblühungen mit geringer Wasserlöslichkeit hat sich die Verwendung vom warmen Wasser (ca. 80 °C) als besondere effektiv erwiesen.

 

Werden lösliche Bestandteile des Mörtels, wie z. B. Kalziumhydroxid (Ca(OH)2), auf die Fassade ausgeschwemmt, so bilden sich weißliche Laufspuren auf dem Mauerwerk, die als Auslaugungen bezeichnet werden. Die Entstehung der Auslaugungen ist meist darauf zurückzuführen, dass der Fugenmörtel nicht fachgerecht verarbeitet wurde. Die häufigsten Fehler sind:

 

  • Dosierungsfehler bei der Mischung des Mörtels an der Baustelle
  • falsche Konsistenz des Fugenmörtels
  • Einbringung des Mörtels bei ungünstigen Witterungsbedingungen
  • fehlende Nachbehandlung des Mörtels bei warmer und trockener Umgebungsluft während der Verarbeitung
  • unzureichende Wasserschutzmaßnahmen während der Verarbeitung und unmittelbar nach der Fertigstellung
  • hohe Wasserdurchlässigkeit der Mörtelfugen und Hohlräume im Fugennetz


Kalkablagerungen auf Mauerwerksoberflächen sind um so ausgeprägter, je niedriger die Temperaturen und je länger und intensiver die Wassereinwirkung sind. Die kühle Jahreszeit stellt besonders günstige Bedingungen für das Entstehen von Kalkablagerungen dar. Der dadurch verlangsamte Hydratationsablauf des Mörtels bedeutet eine große Löslichkeit des Kalkes, was bei häufiger und längerer Feuchtigkeitseinwirkung zwangsläufig zu Kalkauslaugungen führt.

 

Da Kalkablagerungen mit zunehmender Dauer durch die Carbonatisierung (chemische Reaktion mit der Kohlensäure der Luft) nicht mehr wasserlöslich sind, können sie nur mit Hilfe von speziellen chemischen Reinigungsmitteln entfernt werden. Kalkablagerungen auf dem Mauerwerk lassen sich in der Regel durch salzsäurehaltige Reinigungsmittel beseitigen. Die bisherigen Erfahrungen mit chemischer Reinigung von Mauerwerksflächen haben allerdings gezeigt, dass deren Anwendung auch mit Risiken behaftet ist, die sogar zur Verschlechterung der Fassadenoptik führen können. Es werden dabei durch chemische Reaktionen mit den Bestandteilen des Mörtels neue Produkte gebildet, die häufig weitere Verunreinigungen oder auch Verfärbungen am Mauerwerk zur Folge haben.



Bei chemischer Reinigung von Ziegelfassaden müssen daher die Verarbeitungshinweise des Herstellers exakt eingehalten werden. Der zu reinigende Abschnitt wird meist vorgenässt, damit die Chemikalien nicht tief in die Poren und Kapillare eindringen können. Nach der Reinigung müssen die Flächen gründlich bis zur vollkommenen Neutralität des Waschwassers nachgewaschen werden. Zum Eignungsnachweis des Reinigungsmittels ist die Anlegung einer Musterfläche am selben Objekt unbedingt notwendig, um die Eignung und Wirksamkeit des Reinigungsmittels vorher zu testen.

 

Verfasser: Dr.-Ing. Nasser Altaha
Fachverband Ziegelindustrie Nord e. V.
Bahnhofsplatz 2 a
26122 Oldenburg


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