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„Damit kann ich alles bauen“

Backstein-Architektur liegt im Trend. Die Gebäude gelten als robust und wetterfest. Bei Architekten und Bauherren ist der gebrannte Baustoff aber nicht nur deshalb so beliebt. Er lässt Gebäude richtig gut aussehen. Das Büro hehnpohl architektur bda in Münster weiß das schon lange. Gerade erst hat es inmitten eines Altstadt-Quartiers einen Neubau gesetzt, der einfühlsam auf den historischen Kontext reagiert und dennoch das klassische Giebelhaus auf höchst moderne Weise interpretiert. Zu Besuch bei einem Architekten-Duo, das seine Ideen vorzugsweise mit dem Baustoff Backstein realisiert.

Marc Hehn (r.) und Christian Pohl lieben den Backstein. © Paul Metzdorf

Marc Hehn (r.) und Christian Pohl lieben den Backstein. © Paul Metzdorf

 

Das nennt mal wohl einen gelungenen Start: Wenn das erste Projekt des gerade gegründeten gemeinsamen Architekturbüros sofort einen bedeutenden Preis holt, dann können Marc Hehn (45) und Christian Pohl (53) so viel nicht falsch gemacht haben. Mit ihrem Erstlingswerk, dem Haus im Geistviertel in Münster, gewannen sie den Fritz-Höger-Preis 2011 für Backstein-Architektur.

Gemeinsam in die Selbstständigkeit
Kennengelernt hatten sich Marc Hehn und Christian Pohl als studentische Mitarbeiter bei Christoph von Hausen, später arbeiteten sie gemeinsam im Büro Dejozé & Dr. Ammann Architekten. „Da lernten wir die Arbeitsweisen des anderen zu schätzen“, sagt Christian Pohl. „Auf einer Party haben wir dann zu späterer Stunde beschlossen, uns gemeinsam in Münster selbstständig zu machen.“

Einfacher Kunstgriff
2008 war es soweit.  Im gleichen Jahr wurde ihr erstes gemeinsames Projekt, besagtes Haus im Geistviertel, fertiggestellt. Es beeindruckte die Fachwelt vor allem mit einer simplen Geste: durch Subtraktion und Addition von Gebäudevolumen. Den Eingangsbereich in einer Ecke des Wohn- und Atelierhauses schnitten Hehn und Pohl geometrisch präzise aus und ergänzten das entnommene Volumen nach außen hin auf der gegenüberliegenden Gebäudeecke. Dort erweitert dieser Kunstgriff den Wohnbereich. Gekleidet ist das Haus in roten Backstein, der sich in diesem monolithischen Baukörper auf seine rein handwerkliche Qualität zurücknimmt.

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Großer Wurf: Das "Haus am Budenturm" passt sich in die Umgebung ein und wirkt dennoch modern. © hehnpohl architektur

Das Haus im Geistviertel war nicht nur wegen des Fritz-Höger-Preises 2011 ein gelungener Start des noch jungen Büros hehnpohl architektur BDA. Es fungierte auch als eine Art Türöffner für Folgeaufträge von Bauherren, die nun wussten, dass sie von dem jungen Büro qualitätsvolle und individuelle Entwürfe bekommen würden.

Archaisch und dauerhaft
Und das vorzugsweise mit Backstein. „Damit kann ich alles bauen“, sagt Christian Pohl. Der Baustoff habe etwas Archaisches und Dauerhaftes, sei aber gleichzeitig in der Lage, moderne Architektur zu generieren. „Das ist ein authentisches Material.“ Das Büro hehnpohl architektur nutzt es gerne, um seine spezifischen Themen – Nachhaltigkeit, klare Linienführung, ausgeklügelte Tageslichtlenkung und Beständigkeit – wirkungsvoll umzusetzen.

Drei Gebäudeteile
Zu sehen ist das auch am 2017 fertiggestellten Haus am Kapuzinerkloster in Münster. Das mit dünnformatigem, schwarz-rotem Backstein verkleidete Gebäude gliedert sich in drei gestaffelte Gebäudeteile, in denen sich die jeweilige Nutzung widerspiegelt. Es nimmt Beziehung auf zu den ebenfalls verklinkerten Häusern in seiner Nachbarschaft,  stellt mit seiner zeitgemäßen Formensprache aber doch etwas Besonderes dar.


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Das "Haus am Kapuzinerkloster". © hehnpohl architektur

Kontext ist entscheidend
Die Vorliebe von Marc Hehn und Christian Pohl für den ästhetischen Reiz der gebrannten Steine hat, wie beide versichern, nur am Rande mit ihrer Heimat Münster zu tun, obgleich der Backstein dort eine lange Tradition besitzt. „Natürlich ist er im Münsterland das übliche Fassadenmaterial, das hier witterungstechnisch bestens funktioniert und mit dem man sich zwangsläufig auseinandersetzt, aber deshalb machen wir ja keine regionaltypische Architektur“, sagt Christian Pohl. „Unsere Entwürfe erschließen sich aus dem Kontext, nicht aus der Tradition.“

Gewisse Expertise
Richtig ist aber auch, dass das Büro inzwischen „eine gewisse Expertise im Umgang mit dem Material entwickelt hat“, wie Marc Hehn sich ausdrückt. Ihren bis dato wohl augenscheinlichsten Ausdruck findet diese Expertise im Haus am Buddenturm, von hehnpohl architektur ebenfalls in Münster realisiert. Das dreigeschossige Giebelhaus steht in einem hochsensiblen Umfeld in der Münsteraner Altstadt, umgeben von historischer Bausubstanz aus verschiedenen Epochen.
 


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Backstein-Kubus: das "Haus im Geistviertel". © hehnpohl architektur

Was das Gebäude von seinen Nachbarn unterscheidet: Die roten Backstein-Außenwände jeder Etage nehmen jeweils eine der angrenzenden Fluchtlinien auf. An der nördlichen Gebäudekante treffen sich die drei Linien. Der ambitionierte Bauherr wollte ein Haus, das einerseits eine handwerkliche Oberfläche aufweist, andererseits aber mit einer modernen Formensprache auffällt. „Es war eine fruchtbare Zusammenarbeit“, sagt Christian Pohl.

Überraschende Perspektive
Das Projekt traf in Münsters Gestaltungsbeirat auf allgemeine Zustimmung.  Hehnpohl „kippte“ die Fronten zur Straße geschickt und gewann dadurch eine weitere überraschende Perspektive. In einer Fensterlaibung mit Sitzgelegenheit blickt man auf den Buddenturm, ein Relikt der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Christian Pohl: „Mit dem Haus am Buddenturm haben wir das, was wir machen, weit nach vorne getrieben.“ Auch hier war der Baustoff Backstein für außergewöhnliche Architektur gut.

Deutscher Ziegelpreis
Anfang des Jahres erhielt hehnpohl architektur für das Buddenturm-Projekt beim Deutschen Ziegelpreis 2019 den Sonderpreis „Bauen im historischen Kontext“. Für das siebenköpfige Büro in Münsters altem Güterbahnhof eine feine Referenz, die weitere Bauherren anlockt. Ohnehin schnellt die Zahl der Projekte seit geraumer Zeit in die Höhe. Christian Pohl und Marc Hehn werden weiterhin eine Architektur entwickeln, die den Menschen im Blick hat, die sich Bauherren und Handwerkern gleichermaßen verpflichtet fühlt – und die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist.


27 Social Housing | Luis Martínez Santa-Maria | © Roland Halbe | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014