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Die Backstein-Musterstadt

BERLIN. Wie wollen wir wohnen? Diese existenzielle Frage stellt der Deutsche Werkbund bereits seit seiner Gründung 1907. Bei seinem neuesten und spektakulärstem Projekt seit langem lässt sich das – zumindest was die Fassaden betrifft – eindeutig beantworten: in Backstein-Häusern!

© Werkbund

© Werkbund

Der Deutsche Werkbund, diese aufgrund ihrer Geschichte legendäre Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Baukultur-Experten, plant in Berlin-Charlottenburg nichts weniger als eine Modellstadt. Ein Quartier, das Antworten geben soll auf die drängenden Fragen des städtischen Wohnens. Völlig andere Antworten als die früheren suburbanen Mustersiedlungen des Werkbunds. 

Vorgesehen, so heißt es, sei keine klassische, luftige Werkbund-Streusiedlung wie etwa der berühmte Weißenhof in Stuttgart, sondern eine urbane Werkbundstadt. Mit verdichteter Bebauung und zumindest in Teilen bezahlbaren Mietwohnungen, insgesamt sollen es 1100 werden. Finanzieren soll das Projekt keine öffentliche Wohnbaugesellschaft, sondern eine Gemeinschaft privater Bauherren, denen Qualität am Herzen liegt.

Dicht soll das Quartier also werden, mit sieben, acht und mehr Geschossen. Vorgesehen sind auch mehrere Hochhäuser. Gebaut werden soll auf einem ehemaligen Tanköllager in einer ziemlich wilden Industriezone direkt an der Spree, neben einer in Teilen denkmalgeschützten Heizzentrale. Gewerbe soll auch einziehen, und zwar auf bis zu einem Viertel der Fläche – Stichwort durchmischte Stadt.

Über 30 Architektenteams liefern je einen Entwurf, ästhetische Vorgaben gibt es kaum. Mit einer Ausnahme, wie der Berliner Architekt und Werkbund-Vorsitzende Paul Kahlfeldt sagt: Sämtliche Gebäude sollen mit Backstein-Fassaden gebaut werden. Berlin, so Kahlfeldt, sei nun mal eine Backstein-Stadt, auch das industrielle Umfeld der künftigen Werkbundstadt sei stark von Backstein geprägt. So einigten sich die Architekten auf dieses Fassadenmaterial, an das sich alle halten müssen.

Das Formenspektrum ist  enorm, es reicht vom wuchtigen Backsteinturm bis zum Haus mit Glasfront, bei der lediglich die Fenster mit Ziegeln umrahmt sind. Bunt mischen sich die Stile, der Backstein als kleinster gemeinsamer Nenner sorgt dennoch für einen gewissen Zusammenhalt.

Welche Architekten dabei sein dürfen, entschied der Werkbund ohne bestimmte inhaltliche Vorgaben – und ohne formalen Wettbewerb. So kam eine interessante Mischung von Büros zusammen, die vollkommen unterschiedliche Vorstellungen von zeitgemäßer Architektur haben. In diversen Klausuren haben die Architekten das künftige Quartier dann entwickelt – und zwar honorarfrei. Verständigen konnte man sich dabei auf das Leitbild der kompakten europäischen Stadt, natürlich modern interpretiert.

Bis 2021 soll diese Mustersiedlung der Urbanität in Berlin-Charlottenburg fertiggestellt sein. Spätestens dann will der Werkbund die Frage, wie wir wohnen wollen, überzeugend beantwortet haben.

27 Social Housing | Luis Martínez Santa-Maria | © Roland Halbe | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014