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Ein besonderes Haus für einen besonderen Menschen

Das Farsh Film Studio in der iranischen Hauptstadt Teheran ist ein ungewöhnliches Gebäude. Außen und innen rau und schnörkellos. Es beherbergt ein Museum für einen landesweit bekannten Umweltschützer und ein Filmstudio. Das mit ockergelben Backsteinen errichtete Haus wurde von Zav Architects so saniert, dass es ökologische, kulturelle und städtebauliche Belange vereint. Ein großer Wurf, für den es beim Fritz-Höger-Preis 2017 für Backstein-Architektur eine Special Mention gab!

© Behnam Sedighi

© Behnam Sedighi

Dr. Gholam Ali Beski kennt man im Iran. Seit über 40 Jahren kämpft der mittlerweile 86-jährige Umweltaktivist kompromisslos für den Erhalt der natürlichen Ressourcen seines Landes. Beskis dramatischer Aufruf im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die Abholzung der natürlichen Lebensräume im Iran zu beenden, ist in lebhafter Erinnerung.



Eine Autorität im Iran
Die intellektuelle Brillanz Beskis, seine Fernsehinterviews und Talkshow-Auftritte in den konservativen Medien waren und sind für viele Iraner beeindruckend und inspirierend. Sein asketischer Lebensstil und seine unkonventionelle Art, in hitzigen Debatten auf den Punkt zu kommen, sind Teil seines Mythos’. Dieser Mann ist eine Autorität im Iran.



Als die Restaurierung seines Hauses in Teheran anstand, war klar, dass dies keine gewöhnliche Restaurierungsmaßnahme werden sollte. In ZAV Architects, einem innovativen Teheraner Architekturbüro, fand Beski einen Partner, der ebenfalls in sozialen und ökologischen Kategorien zu denken gewohnt ist.

Farsh Film Studios1

© Soroush Majidi

Wiederverwertung als Strategie
„Das Projekt ist ein recycelter Raum“, beschreibt das Büro seine Aktivitäten. Die Wiederverwertung architektonischer Elemente und Materialien des Gebäudes sei die treibende Strategie gewesen. So wurden alte Rohre erneut verwendet, ebenso Metall-Elemente für die Treppenstufen und die Treppengeländer sowie als Raumteiler. Für das Mauerwerk wurden sowohl außen wie innen gebrauchte Backsteine genutzt, in der Küche und den Sanitärbereichen recycelten ZAV Architects Waschbecken, Möblierungen und WC-Anlagen.


Dieses Prinzip speist sich nicht aus modischen Vintage-Konzepten unserer Zeit, sondern verfolgt konsequent den ökologischen Ansatz von Gholam Ali Beski. Wert legte das Architekturbüro auch auf eine gewisse „räumliche Strenge“ als durchgängiges Designelement; Backstein-Innenwände, horizontale wie vertikale Betonelemente und eine sparsame Möblierung stehen dafür.

 

Kleines Museum
Unten gibt es ein kleines Museum für den Umweltaktivisten Beski, oben befinden sich die Räumlichkeiten für ein Filmstudio. Das dreistöckige Gebäude verlängert Straße und Höfe in sein Inneres, Terrassen und Hohlräume lassen das gefilterte Äußere in die Räume. Das Museum im Erdgeschoss, das die Arbeiten von Gholam Ali Beski zeigt, hat einen eigenen Zugang und erschafft einen separaten öffentlichen Raum.


Farsh Film Studios3

© Behnam Sedighi

Durchlässig von oben bis unten
Die anderen Ebenen des Hauses bis unter das Dach beherbergen das Farsh Film Studio und eine Reihe von Gesellschaftsräumen. Die Treppe aus Mauerwerk auf der Nordseite und die Stahltreppe auf der Südseite geben den Blick frei und erzeugen Kommunikationskorridore, die der Durchlässigkeit der multifunktionalen Ebenen zugute kommen. Eine Dachterrasse bietet Raum für Open-Air-Kino und Treffen aller Art.



Stets distanziert sich der restaurierte Raum von der gängigen Ästhetik sanierter Oberflächen und einwandfreier Verarbeitung. Kein Fehler wird mit einer extra Schicht Material zugekleistert. Risse werden als immanente Materialbeschaffenheit des Gebäudes innen wie außen akzeptiert. Die gesamte Restaurierung ist von der Idee des Widerstands gegen die Logik marktorientierter Verwertung geprägt.



Ein Haus mit einem Anliegen
Das Farsh Film Studio transportiert ein politisches wie architektonisches Anliegen in einem schwierigen Umfeld. Der Ballungsraum Teheran mit seinen mehr als 20 Millionen Einwohnern ist ein wuchernder Molloch, austauschbare Gebrauchsarchitektur bestimmt vielfach das Bild. Mit seiner rauen Backstein-Ästhetik und dem mittig angeordneten, vertikalen Treppenhaus-Fensterband setzt das von ZAV Architects renovierte Gebäude hier ein klares Statement.


Farsh Film studios4

© Soroush Majidi

27 Social Housing | Luis Martínez Santa-Maria | © Roland Halbe | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014