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Qualität muss nicht teuer sein

Backstein-Ornamentik an den Hauseingängen, von Klinker-Bändern eingefasste Fenster, herausspringende Loggien – das aus fünf Gebäuden bestehende Projekt „Quartiersmitte St. Joseph“ in Emsdetten will nicht einfach nur gut aussehen. Es möchte einem gewachsenen Wohnquartier einen neuen, attraktiven Mittelpunkt geben. Es möchte in unmittelbarer Nachbarschaft zur St.-Joseph-Kirche ein identitätsstiftender Ort sein. Und nebenbei noch beweisen, dass qualitätsvolle Architektur auch mit einem relativ schmalen Budget möglich ist.

©Roland Borgmann

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Das Emsdettener Büro Verwohlt Architekten BDA kennt sich aus mit rigiden Kostendiktaten und engen Finanzkorsetten. Das Büro baut nahezu ausschließlich für halböffentliche und öffentliche Auftraggeber. Die „Quartiersmitte St. Joseph“ hat Verwohlt Architekten für die genossenschaftlich organisierte WohnBau Westmünsterland realisiert. Und zwar mit zweischaligem Backstein-Mauerwerk, obgleich WDVS-Fassaden günstiger gekommen wären. „Wir wollten zeigen, dass es auch im öffentlich geförderten Wohnungsbau und bei knapp kalkulierten Bauprojekten möglich ist, ästhetisch ansprechend zu bauen“, sagt Büroinhaber Joerg Verwohlt.

 

Vorhaben auf der Kippe

Und es ist möglich. Dabei sah es zwischendurch schon gar nicht mehr danach aus, als könne das Projekt am Grünring überhaupt umgesetzt werden. Zwar hatten Verwohlt Architekten 2013 den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen, dann aber sprang der private Investor völlig überraschend ab. „Kurz vor der Aufstellung des Bebauungsplans stand das gesamte Vorhaben plötzlich auf der Kippe“, erinnert sich Joerg Verwohlt.

Die Wohnbau Westmünsterland bot sich als neuer Investor an, wollte am Grünring aber ganz überwiegend öffentlich geförderten Wohnungsbau umsetzen. Für Verwohlt Architekten bedeutete das: radikal umplanen. „Aber wir haben es hingekriegt.“ Nach dem Abriss einiger unscheinbarer Nachkriegsbauten entstanden fünf Gebäudekomplexe mit insgesamt 75 Wohnungen – 50 davon öffentlich gefördert, 25 frei finanziert. Zudem befinden sich in einem der Häuser zwölf Appartements für pflegebedürftige Menschen sowie ein Ladenlokal, in das eine Bäckerei einziehen soll. Die öffentlich geförderten Wohnungen kosten 4,65 Euro pro Quadratmeter, die frei finanzierten um die 7 Euro pro Quadratmeter – und damit weniger als in Emsdetten üblich.

 

Zeichen setzen

Bauherr und Architekt einte der Wunsch, sich mit ihrem Projekt einerseits architektonisch einzufügen in die Umgebung, die von roten Klinkerbauten der Nachkriegszeit geprägt ist, andererseits aber auch ein architektonisches Zeichen zu setzen und möglichst hochwertiges Wohnen zu ermöglichen. Trotz des enormen Kostendrucks für diese öffentlich geförderte Wohnanlage wollte Verwohlt Architekten unbedingt Backsteingebäude mit einer gewissen Haptik und Ornamentik bauen. Man entschied sich für Rotklinker eines Herstellers aus der Region, die Fugen sind ebenfalls rot gehalten. „Der Stein passt zur Nachbarschaft, in der ebenfalls roter Klinker dominiert“, sagt Joerg Verwohlt

Verwohlt Architekten hat die Produktionsseite des Steins nach außen hin vermauern lassen, die glasierte Seite, also die eigentliche Vorderseite, ist innen versteckt. In Verbindung mit der roten Fuge bringt das Lebendigkeit und Haptik in die Fassade. Auffällig sind die herausspringenden Loggien, die sich im größten der fünf Gebäude über vier Stockwerke ziehen. Die Treppenaufgänge sind bewusst hell gehalten und wirken dadurch freundlich und einladend. Die Häuser in den Seitenstraßen Am Perrediek und Weststraße sind niedriger oder werden in Richtung Bestandsbauten abgetreppt.

 

Viel Grün

Manche Erdgeschosswohnungen haben einen kleinen Garten, eines der Gebäude besitzt einen größeren Gemeinschaftsgarten. Um die Häuser ließ das Architekturbüro Hecken und Bäume pflanzen, dazu wurden etliche alte Bäume auf den Grundstücken erhalten. Die Wohnungen sind zumeist zwischen 50 und 67 Quadratmeter groß und verfügen in den meisten Fällen über innenliegende Balkone/Loggien. Die Häuser sind zudem teilunterkellert und komplett barrierefrei geplant. Zielgruppen sind alleinstehende, ältere Menschen, aber auch alleinerziehende Mütter mit Kind.

„Politik und Verwaltung in Emsdetten haben das Projekt von Anfang an einmütig unterstützt“, erläutert Joerg Verwohlt. Es beansprucht insgesamt 8000 Quadratmeter, die vermietbare Fläche beträgt 5300 Quadratmeter. Gekostet hat die gesamte Anlage etwa 12 Millionen Euro – inklusive der Grundstücke, die man von der Stadt Emsdetten erwarb. Anfang 2018 wurde das letzte der fünf Gebäude bezugsfertig. „Sämtliche Wohnungen sind vermietet“, so Verwohlt.

 

Wieder mit Backstein

Das Architekturbüro beschäftigt sich derweil schon mit seinem nächsten Großprojekt in Senden. Wieder mit der WohnBau Westmünsterland. Wieder öffentlich gefördert. Wieder Backstein. Joerg Verwohlt: „Wir bauen halt am liebsten mit zweischaligem Verblendmauerwerk. Als Münsterländer sind wir da wohl vorgeprägt.“


Neubauprojekt: „Quartiersmitte St. Joseph“, Grünring, Weststraße und Am Perrediek, Emsdetten
Bauherr: WohnBau Westmünsterland
Architekt: Verwohlt Architekten BDA
 

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27 Social Housing | Luis Martínez Santa-Maria | © Roland Halbe | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014