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Fritz-Höger-Preis 2008

Bauedelstein Backstein

Erstklassige Architektur, handwerkliches Können und kreative Fassadengestaltung — dafür steht der Backsteinexpressionismus und sein prominenter Vertreter Fritz Höger. Er schuf mit seinem „Bauedelstein“ Backstein sowohl einfache Wohnhäuser und bodenständige Kontorbauten als auch architektonische Kunstwerke.

<p>Eines der beeindruckendsten Gebäude von Fritz Höger: Das Chilehaus in Hamburg.
  
  
  <br />Quelle: Union Investment
  <br />www.chilehaus-hamburg.de
  
  
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Eines der beeindruckendsten Gebäude von Fritz Höger: Das Chilehaus in Hamburg.
Quelle: Union Investment
www.chilehaus-hamburg.de

 

Backstein-Expressionismus in Vollendung 
Die Architekten des Backstein-Expressionismus bauten gezielt mit Ziegeln und den besonderes hart gebrannten Klinkern, um Fassaden lebendiger erscheinen zu lassen. Klinker waren den schwierigen klimatischen Bedingungen von Industrieanlagen am besten angepasst. Doch auch die charakteristische raue Oberfläche und die reiche Farbpalette ließen sie zum Trendmaterial dieser Zeit werden. Teilweise wurden fehlgebrannte Klinker wegen ihres individuellen Aussehens als dekorative Elemente verwendet. Auch die ornamentale Formensprache mit rauen, kantigen, oft spitzen Elementen, horizontale Backsteinreihen aus abwechselnd vor und zurückgesetzter Mauerung sind typisch für diesen expressionistischen Architekturstil, dem Fritz Höger sich verschrieben hatte. In der Architektur spielte der Charme des Ursprünglichen und Traditionellen in Verbindung mit Backstein eine große Rolle. Bisweilen findet man andere Architekturstile in den expressionistischen Bauten Fritz Högers. So zitiert das Anzeigerhochhaus in Hannover die orientalische Architektur. Das Chilehaus in Hamburg ist vom Art Déco geprägt.

Das weltweit gefeierte Chilehaus (1922 — 1924) ist wohl eines der beeindruckendsten Vertreter des Backstein-Expressionismus. Für die Errichtung dieses formenreichen architektonischen Meisterwerks wurden 4,8 Millionen Backsteine verwendet. Der Bau erwies sich als schwierig, da zum einen das Baugelände sehr schmal war und starke Vorsprünge aufwies und zum anderen eine Straße das Gelände kreuzte. Högers Lösung: Die Straße wurde überbaut. Dadurch entstand ein großer, solitärer Baukörper in Form eines Passagierschiffes, mit bis heute anhaltender einzigartiger Wirkung. Seit 1983 steht das Chilehaus unter Denkmalschutz und ist auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden.

Ein weiteres prominentes Gebäude, das nach den Entwürfen von Fritz Höger erbaut wurde, ist der 51 Meter hohe mit markanter Fassade versehene Stahlskelettbau des Anzeigerhochhauses in Hannover. Die dunkelrote und goldglasierte Klinkerfassade ist mit dekorativen Elementen an gotisierenden und expressionistischen Detailformen versehen.

 

Zur Person
Johann Friedrich Höger, gen. Fritz Höger wurde am 12. Juni 1877 in Elmshorn geboren. Mit 18 Jahren begann er eine Zimmerer- und Maurerlehre, die er 1896 mit der Gesellenprüfung beendete. Der Besuch der Baugewerbeschule in Hamburg, eine Anstellung als Zeichner beim Architekturbüro Lundt und Kallmorgen sowie die Mitarbeit bei Fritz Oldenburg waren prägende Stationen, bevor er sich selbständig machte und erste Aufträge mit dem Bau von Einfamilienhäusern übernahm. Ab 1908 wirkte er bei den Planungen der Kauf- und Bürohäuser aus Backstein in der Mönckebergstraße in Hamburg mit.

In der Zeit des Nationalsozialismus bleiben Höger größere Projekte verwehrt, obwohl er politisch mit den Nationalsozialisten sympathisierte und sich aktiv um die Gunst für seine Architektur bemühte. Mit seinem expressionistischen und norddeutschen Baustil traf er jedoch nicht den Geschmack Hitlers, und dem favorisierten klassizistischen Marmorbaustil wollte Höger sich nicht anschließen. So schied er für die von ihm erhoffte Position des Staatsarchitekten aus.

 

Über 3000 Bauten und Entwürfe hat er in seiner 42-jährigen Tätigkeit hinterlassen. Ein Großteil seines Schaffens wurde unglücklicherweise während des 2. Weltkriegs zerstört. 1963 wurden ein weiteres Mal Pläne aus Fritz Högers Nachlass bei einem Brand vernichtet. Heute lagert der zum Teil stark beschädigte Rest im Hamburger Staatsarchiv und in der Kunstbibliothek in Berlin. Fritz Höger starb am 21. Juni 1949 im Alter von 72 Jahren in Bad Segeberg.

 

Fritz Höger war genialer Architekt und prominenter Vertreter des Backsteinexpressionismus. Mit dem Verweis auf Fritz Höger würdigt die Initiative Bauen mit Backstein einen großen Architekten, der in seiner Backstein-Verbundenheit und seiner Genialität als Baumeister bis heute wohl unübertroffen ist.

 

Eine kleine Auswahl der Bauten Fritz Högers:

  • 1912/1913: Büro- und Geschäftshaus der Fa. Rappolt & Söhne (Rappolthaus) in Hamburg, Mönckebergstraße 11
  • 1912/1913: Schule in Großhansdorf bei Hamburg
  • 1913/1914: Verwaltungsgebäude für die Westfälische Transport AG in Emden (Ostfriesland),
  • 1913/1914: Geschäftshaus der Handelskammer (Handelshof), Hamburg, Lange Reihe 29
  • 1913-1919: Umbau und Erweiterung des HAPAG-Hauses, Hamburg, Ballindamm 25
  • 1919/1920: Direktionsgebäude der Elektrizitätswerke Schleswig-Holstein AG (Schleswag-Haus) Rendsburg, Stormstraße 1
  • 1922-1924: Büro- und Geschäftshaus für Henry B. Sloman (Chilehaus), Hamburg
  • 1923/1924: Wohnhaus für Edye in Hamburg Wohldorf-Ohlstedt, Alsterblick 1
  • 1926/1927: Fabrikgebäude der Parfümeriefabrik Scherk in Berlin-Steglitz, Kelchstraße 31
  • 1927/1928: Büro- und Geschäftshaus für den Verlag A. Madsack & Co. (Anzeigerhochaus), Hannover
  • 1928: Wohnhochhaus (Haus Günther) in Hannover
  • 1928: Wasserturm in Bad Zwischenahn
  • 1928/1929: Rathaus Rüstringen, seit 1937 Rathaus Wilhelmshaven
  • 1930/1933: Evangelische Kirche am Hohenzollernplatz mit Gemeindehaus in Berlin-Wilmersdorf

 

Weitere Infos:
www.wikipedia.org/wiki/Fritz_Höger
www.chilehaus.de