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Fritz-Höger-Preis 2011

Appell für mehr Baukultur in der städtischen Verkehrsinfrastruktur

HAMBURG. 350 führende Architekten, Planer und Ingenieure sowie Vertreter der bundesweit bedeutsamen Baukultur-Preise – u. a. des Fritz-Höger-Preises 2011 für Backstein-Architektur – beschließen den „Hamburger Appell“ und erteilen Politik und Bauwirtschaft einen konkreten Arbeitsauftrag. Ihre Forderung: Entschleunigung und bessere Vernetzung des Verkehrs. 

Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur spricht auf dem Konvent der Baukultur 2012 in Hamburg.</br>Foto © Kai Müllenhoff für die Bundesstiftung Baukultur

Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur spricht auf dem Konvent der Baukultur 2012 in Hamburg.
Foto © Kai Müllenhoff für die Bundesstiftung Baukultur

Deutschland hat bei Verkehrsplanung und Verkehrsbaukultur erheblichen Nachholbedarf – das ist das Fazit des „Hamburger Appell für mehr Baukultur in der städtischen Verkehrsinfrastruktur“, den renommierte Architekten, Planer, Ingenieure und Politiker zum Abschluss des zweitägigen Konvents der Baukultur K-2012 in Hamburg einstimmig an die politischen Entscheidungsträger gerichtet haben. Dabei nehmen sich die Teilnehmer auch selbst in die Pflicht. Es fehle vor allem an ganzheitlichen Ansätzen der Verkehrsplanung, einer kreativen Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger sowie an Möglichkeiten für Bürger, in Entscheidungsprozesse frühzeitig eingebunden zu werden.

Unterstützt wurde der Appell auch von den Teilnehmern Hanns-Martin Römisch, Hans van der Heijden und Ernst Buchow, die als Vetreter des Fritz-Höger-Preises 2011 für Backstein-Architektur in den Konvent berufen wurden. „Die breite Zustimmung der Berufenen des Konvents zum Hamburger Appell ist eine klare Botschaft an die Verantwortlichen, dass neue Ansätze in der Verkehrsplanung in Deutschland erforderlich sind“, erklärte Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, die den Konvent im Rhythmus von zwei Jahren organisiert. „Wir müssen stärker die Interessen der Bürger in den Vordergrund stellen. Der Appell liefert dafür eine gute Grundlage.“

Neun Forderungen stellen die Konventsberufenen an die Politik und die eigene Zunft. Konkret fordert der Konvent, den Verkehr zu entschleunigen, so dass die Interessen aller Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt berücksichtigt werden können. Einzelne Verkehrsträger wie Auto, Bahn, Fahrrad oder Fußverkehr müssten so vernetzt werden, dass sie einfach zugänglich und attraktiv sind. Ein umfassendes öffentliches Nahverkehrsangebot sei dafür eine Grundvoraussetzung. Auf behördlicher Ebene müsse das Fachpersonal stärker interdisziplinär agieren und Ausschreibungsverfahren sollten übergreifend gestaltet werden. Die Aus- und Fortbildung von Ingenieuren, Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern müssten ebenfalls interdisziplinär angelegt sein. Nur so könne eine fachübergreifende Qualität sichergestellt werden.
 

Zielorientierung und Transparenz

Effizienter Einsatz der Finanzmittel

Die Finanzmittel gelte es zielorientiert und transparent zwischen öffentlichem Nahverkehr, Radfahrern, Fußgängern und Autos zu verteilen und gleichzeitig neue Einnahmen zu generieren. Konkret fordert der Konvent, die erzielten Einnahmen für Verkehrsprojekte einzusetzen, um Mobilität nachhaltig und emissionsarm zu gewährleisten. Vielfach seien Verkehrssysteme losgelöst vom jeweiligen städtischen Umfeld geplant und berücksichtigen nicht dessen konkrete Anforderungen. „Verkehrsinfrastrukturen müssen als Räume mit urbaner Qualität entworfen werden“, so der Hamburger Appell.

Ein weiteres entscheidendes Merkmal der Verkehrsplanung sollte eine rechtzeitige Einbeziehung der Bürger sein, um so mehr Lebensqualität zu gewährleisten. Partizipation sei gefragt – genauso wie ein Zusammenwirken von Gesellschaft, Politik und Verwaltung während des gesamten Planungsprozesses.

Anregungen dafür bieten die europäischen Nachbarländer. Insofern diskutierten die Teilnehmer des Konvents mit Planern aus Luxemburg, den Niederlanden und Dänemark internationale Projekte, die sich auf Deutschland übertragen lassen. Als innovatives Konzept gelten „shared spaces“, in denen Fußgänger, Fahrradfahrer und Autos die Straße gemeinsam nutzen. Für den Rückbau der autogerechten Stadt liefert der Sønder Boulevard in Kopenhagen interessante Anregungen: anschaulich zeigt er, wie eine ehemals auf den Autoverkehr ausgerichtete Straße durch einen erweiterten Mittelstreifen mit Spiel- und Grünflächen ein Plus an Qualität sicherstellen kann.


Ab Juli 2012

Ausstellung zur AKTION_BAUKULTUR

Villa der Bundesstiftung Baukultur.</br>Foto © Till Budde für die Bundesstiftung Baukultur
Villa der Bundesstiftung Baukultur.
Foto © Till Budde für die Bundesstiftung Baukultur

Der zweitätige Konvent begann mit zwölf Kunstinterventionen der AKTION_BAUKULTUR, die in der ganzen Republik stattfanden und sich konkret mit Schwachstellen der Verkehrsplanung auseinandersetzten. Die Kunstaktionen werden in einer Ausstellung am Stiftungssitz mit Film und Fotos dokumentiert.

 

Ort: Bundesstiftung Baukultur, Schiffbauergasse 3, 14467 Potsdam
Öffungszeiten: mittwochs und donnerstags von 14 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung
Die Exponate können bis Januar 2013 besichtigt werden.

Den vollständigen Hamburger Appell sowie weitere Informationen zum Konvent der Baukultur finden sich auf der Website der Bundesstiftung Baukultur.


Bundesstiftung Baukultur

Hamburger Appell für mehr Baukultur in der städtischen Verkehrsinfrastruktur