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Siegerprojekte 2008

Industriebau der 20er Jahre mit neuem Leben

Der dritte Preis geht an Kahlfeldt Architekten Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin für das „Haus K“, Gleichrichterwerk Zehlendorf, die zugleich auch eine Auszeichnung für das „Beste Sanierungsprojekt“ erhalten haben.

Das ehemalige Gleichrichterwerk aus den 20er Jahren, das zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, zeugt von der überragenden Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit des Baustoffs Backstein. Dem expressionistischen Industriebau der 20er Jahre wurde auf eindrucksvolle Art neues Leben eingehaucht, wobei wahrscheinlich kein einziger neuer Backstein verarbeitet worden ist. Die geschlossene historische Form haben die Architekten nicht verändert. Trotzdem wurde das Objekt in eine völlig neue Nutzung transformiert.

<span class="bildunterschrift">Das Haus  K, ein ehemaliges Gleichrichterwerk aus Rathenower Ziegel, erbaut von Hans Müller in den zwanziger Jahren, ruht - aus der Bauflucht zurückgesetzt - auf einem flachen Sockel. 
  
  <br />© Fotograf Stefan Müller</span>
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Das Haus  K, ein ehemaliges Gleichrichterwerk aus Rathenower Ziegel, erbaut von Hans Müller in den zwanziger Jahren, ruht - aus der Bauflucht zurückgesetzt - auf einem flachen Sockel.
© Fotograf Stefan Müller

3. Platz Gesamtsieger
Auszeichnung „Bestes Sanierungsprojekt“

Projekt: Haus K, Gleichrichterwerk Zehlendorf
Baujahr: 2007
Architekt: Kahlfeldt Architekten Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

„Sich permanent verändernde Bedingungen der Stromverteilung haben nahezu alle dafür errichteten Gebäude überflüssig werden lassen, so auch ein im Vorortbezirk Zehlendorf gelegenes Gleichrichterwerk. 1928 zur Versorgung der Straßenbahnen mit Gleichstrom gebaut, verlor es bereits Anfang der sechziger Jahre seine Bestimmung. Nur eine kurze Nachnutzung durch die Freie Universität unterbrach den jahrzehntelangen Leerstand.


In einem vornehmen Wohngebiet gelegen, verhinderten eine verkehrsreiche Hauptstraße und die Nachbarschaft banaler Baukörper der Nachkriegszeit eine neue Nutzung. Nach mehreren vergeblichen Anläufen fand sich erst vor kurzem ein Erwerber, der die verdeckten Qualitäten erkannte.


Das zweigeschossige Gebäude aus Rathenower Ziegeln ruht, aus der Bauflucht zurückgesetzt, auf einem flachen Sockel. Dieser diente der Einbringung der in drei Kammern im Erd­geschoss aufgestellten Transformatoren. Das Obergeschoss beherbergte die notwendigen Schaltanlagen und Spulen. Kabeltrassen und Schächte verbanden die aus Gründen des Brandschutzes geschlossenen Räume miteinander.


Ursprünglich war die Errichtung eines Typenbaus vorgesehen, der jedoch aus gestalterischen Gründen von der Genehmigungs­behörde abgelehnt wurde.
Der Architekt Hans Müller, der über vierzig Gebäude der Stromverteilung in Berlin zwischen 1924 und 1930 errichtete, skizzierte eigenhändig auf die Ansichtszeichnungen des Bauantrags die Gliederung der Fassade durch dreieckig hervortretende Pilaster und bekrönte den schlichten Baukörper durch ein lagenweise herauswölbendes Gesims. Diese Elemente beherrschte Müller grandios und hatte sie auch bei anderen Bauten angewendet. In diesem Fall erfüllen sie jedoch außer der Gestaltung keine technischen Funktionen.


Der Umbau zu einem Gebäude mit zwei Wohnungen erfolgte nach einfachen Regeln. Im Innern hatten sich keine technischen Installationen erhalten. Dank der Skelettstruktur konnten alle Trennwände entfernt und nach den geänderten Grundrissen neu gesetzt werden. Die Anforderungen des Wärmeschutzes erfüllen neue Holzfenster und eine gemauerte Innenschale. Die Fassaden blieben unberührt, lediglich ein Austausch der Gläser in den Stahlfenstern war notwendig. Im rückwärtigen Teil ermöglichen neue Austritte einen direkten Zugang in den Garten und neue Fenster belichten die dort gelegenen Räume.


Die Veränderungen sind geringfügig und die Umnutzung von einem hochtechnifizierten Spezialbau zu einem klaren Wohngebäude war einfach realisierbar, da die eigentliche Funktion keinen Einfluss auf die Kubatur und die Gestaltung ausübte. Die autonome architektonische Qualität erfüllt ihren zeitlosen Zweck und hat nun außergewöhnliche, aber auch selbstverständliche Wohnräume ermöglicht.“


Kahlfeldt Architekten Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin