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Siegerprojekte 2014

Neues Leben in alten Mauern

Der inmitten der historischen Mauern von Astley Castle eingefügte Neubau stabilisiert die Ruine und integriert sie in ein neues lebendiges Haus.

Winner Gold in der Kategorie „Bestes Sanierungsprojekt | Weiterbauen im Bestand“: Witherford Watson Mann Architects, London, United Kingdom | Astley Castle, Nuneaton, Warwickshire, United Kingdom 
</br>Foto © Philip Vile (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Winner Gold in der Kategorie „Bestes Sanierungsprojekt | Weiterbauen im Bestand“: Witherford Watson Mann Architects, London, United Kingdom | Astley Castle, Nuneaton, Warwickshire, United Kingdom
Foto © Philip Vile (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Astley ist ein abgelegener Ort mit reicher historischer Umgebung: ein Wasserschloss, ein See, eine Kirche und Spuren eines Lustgartens. Das Schloss brannte vor 30 Jahren bis auf die Grundmauern ab, wobei große Teile der Wände einstürzten und so den Zerfall beschleunigten. Ein denkmalgetreuer Wiederaufbau war zu teuer, die Ruinen waren jedoch historisch zu wertvoll, um aufgegeben zu werden.

 

Unser Ansatz war pragmatisch und poetisch zugleich: Wir haben vorgeschlagen, das neue Haus in den ältesten Teil des Schlosses zu bauen und die Anbauten aus dem 15. und 17. Jahrhundert als ummauerte Außenhöfe auszubilden. Dadurch wurde der offene Charakter der Ruine erhalten und nicht versucht, eine Vollständigkeit wiederherzustellen.

 

Die konventionelle Anordnung der Funktionen im Haus ist vertauscht: Wohnbereiche auf dem ersten Geschoss, die Schlafzimmer und Bäder im Erdgeschoss. Die neuen Räume belegen nur etwa die Hälfte der Ruine (263 m² von 613 m²), während sich die Betonunterzüge mit den Holzdächern auch über die beiden Höfe erstrecken, um die erhaltenen Fragmente des Schlosses zu stabilisieren und vor Witterung zu schützen.

 

Die alten Mauern wurden mit neuem Backsteinmauerwerk eingefasst und gestützt, diese wurden mit weichem Kalkmörtel und in der vollen Stärke der bestehenden Mauern ausgeführt. Um möglichst nahtlos auf die abgebrochenen Kanten der Ruine reagieren zu können, wurde ein ungewöhnlich kleines Format (37 mm Höhe) eingesetzt. Die Ziegel sind in einem um ein Viertel überlappenden Verband gelegt, um so die Binder der stabilisierenden Rippenwände zu integrieren. Im gesamten Gebäude existieren keine Spezialsteine, es wurde dafür eine Sprache von gestuften Laibungen entwickelt, um die komplexe innere Geometrie absorbieren zu können.

 

Die kohlengebrannten Backsteine gleichen sich den rötlichen und grünlichen Farbtönen des bestehenden Kalk- und Sandsteins an, erreichen so eine größtmögliche Farbharmonie, um sich dann gleichzeitig wieder durch ihre Textur klar von diesen zu unterscheiden.

 

Handgemachte Keramikfliesen in der Eingangshalle, der Küche und den Badezimmern setzen die simple Materialität von gebackener Erde und Holz fort und wurden gleichzeitig benutzt, um eine klare und trockene Verbindung zwischen der Holzauskleidung und den rohen Steinwänden auszubilden.

Winner Gold

Projektdaten

ORT
Astley, Near Nuneaton, Warwickshire, UK

 

BAUHERR Landmark Trust, London, UK

 

ARCHITEKT
Witherford Watson Mann Architects

 

GRUNDSTÜCKSFLÄCHE
15,200 m²

 

BEBAUTE FLÄCHE
440 m²

 

NUTZFLÄCHE
278 m²

 

BAUZEIT
2007 - 2012

 

BAUKOSTEN
1,5 Mio. Euro

 

AUSZEICHNUNG
Winner Gold | Sanierung – Weiterbauen im Bestand


Fritz-Höger-Preis 2014

Die Qualität des Nutzlosen

„Mit einem hohen ästhetischen Anspruch bauten die Architekten die nutzlos gewordene Substanz partiell weiter, um etwas Neues zu schaffen, ohne den Bestand – so wie er ist – als geschichtliche Wahrheit infrage zu stellen. Die Ruine mit ihrer massiven Struktur aus großformatigen Steinblöcken wird dabei als solche akzeptiert. Astley Castle steht bildhaft für historische und moderne Baukunst zugleich und regt zu einem ästhetischen Diskurs über Sanierung und Weiterbauen im Bestand an.“
Statement der Jury


Hintergrundbild: © Tim van de Velde