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Akzentuierung der Struktur

Die lebendig gestaltete Backsteinfassade eines Münchner Uni-Gebäudes vermittelt zwischen dem Bestand und verleiht seinem architektonischen Kontext neue Qualität – optisch und energetisch.

Foto © Michael Heinrich (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Foto © Michael Heinrich (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Das 1963 nach Plänen von Franz Hart erbaute Institutsgebäude war hinsichtlich aktueller Energie- und Brandschutzstandards stark sanierungsbedürftig geworden. Hild und K Architekten entwickelten für den Stahlbetonbau mit Fertigteilfassade eine neue Außenhaut, die Bezüge aufnimmt sowohl zur umgebenden Bebauung des TU-Stammgeländes als auch zum Bestandsbau selbst. Das Haus war aus unterschiedlichen, geschossweise „übereinander gestapelten“ Stahlbetonrahmenkonstruktionen errichtet worden. Dadurch ergaben sich unterschiedliche Baulinien zwischen der ebenerdig gelegenen Halle und den darüber gelegenen Stockwerken. Der Entwurf von Andreas Hild und Dionys Ottl integriert diese Eigenart des Vorgängerbaus und entwickelt sie weiter. Die Fassade gliedert sich nun in Brüstungen und Pfeiler, welche die Flucht der vorhandenen Stützen aufnehmen. Ab dem zweiten Obergeschoss schwingen sie in die Ebene der Brüstungen zurück und reagieren so auf die bestehende Stahlbetonkonstruktion. Die maximale Auslenkung der Pfeiler wird in der Höhe leicht variiert. So entsteht im bodennahen Bereich ein starkes Relief, das sich nach oben glättet. Komplett fassadenbündig eingebaut integrieren sich die Fenster optimal in das Wechselspiel von Vorsprung und Fläche. Größe und Achsen bleiben gegenüber dem Vorgängerbau unverändert. Ein tintangrauer Vormauerklinker vermittelt zwischen den Sichtziegeln der Fünfziger- und Sechziger-Jahre-Gebäude auf dem Nordgelände und den Aluminiumfassaden der technischen Neubauten auf dem Südgelände der TU.

 

Zugleich dient sich seine metallisch schimmernde Oberfläche ideal dem durch die Ausbuchtungen der Fassade differenzierten Lichteinfall an. Insgesamt entsteht so ein lebhaftes, nuancenreiches Farbspiel. Daneben garantiert die vorgehängte Ziegelhülle mit Luftschicht und Dämmung einen hohen, den aktuellen Anforderungen an einen Neubau entsprechenden Wärmedämmstandard. Im Inneren des Gebäudes wurde der sanierungsbedürftige Bestand bis auf das prägnante Stahlbetonskelett rückgebaut, die vorgefundene Gebäudestruktur optisch herausgearbeitet. Die hellen Gelbtöne der Flure, Seminar- und Büroräume nehmen Farben der umgebenden historischen Gebäude auf und schlagen somit einmal mehr eine Brücke zum architektonischen Kontext des Geländes. Großformatige Fenster unterstreichen die Bezüge von Außen- und Innenraum und sichern die optimale Tageslichtversorgung der Arbeitsplätze. Für ein behagliches Raumklima in den Büroräumen sorgt natürliche, vom Nutzer selbst zu regulierende Fensterlüftung sowie ein integrierter Sonnen- und Blendschutz. Hörsäle, Labore und Besprechungsräume erhalten eine Klimatisierung mit Wärmerückgewinnung. Zudem bezieht ein neu geschaffener Fernwärme-Anschluss das energetisch optimierte Gebäude in die Belange erneuerbarer Energien mit ein und trägt so zusätzlich zur CO2-Einsparung bei. In einem zweiten Bauabschnitt wurde in den vergangenen Jahren ein weiterer Gebäudeteil entsprechend saniert. Der im Bestand zurückgesetzte Haupteingang wurde dabei an den Straßenraum gelegt. Er mündet nun in einen gebäudehohen Luftraum, der durch farbige, aus dem Bestand übernommene Kunstfenster eindrucksvoll inszeniert wird.

 

Hild und K Architekten

Projektdaten

Ort: München

 

Bauherr: Freistaat Bayern, vertreten durch Staatliches Bauamt München 2

 

Architekt: Hild und K Architekten

 

Grundstücksfläche: 2.800 qm

 

Bebaute Fläche: 16.500 qm

 

Nutzfläche: 8.300 qm

 

Umbauter Raum: 61.800 m3

 

Bauzeit: 2007 - 2013

 

Baukosten: 28,0 Mio. Euro


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