Backstein.com verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Website sind Sie mit der Speicherung von Cookies einverstanden und akzeptieren unsere Datenschutzerklärung. Ok

Backstein.com
Bietet Bauherren, Architekten und Investoren das passende Fundament.

Öffentliche Bauten, Sport und Freizeit

Kirche am Meer

Die geschwungene Wand- und Dachausbildung dieser Kirche in Schillig lädt die Betrachter ein zu metaphorischen Interpretationen des Themas „Kirche am Meer“.

Foto © Christian Richters (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Foto © Christian Richters (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises)

Das Gebäude erinnert mit seinem Turm und der Grundrissform an einen klassischen Kirchenbau, gleichzeitig lässt die geschwungene Wand- und Dachausbildung auch eine Interpretation von Wellen, Dünen und Meer zu. Der Grundriss des Kirchenraumes hat die Form eines Kreuzes – ein Kirchenschiff mit zwei Seitenschiffen. Diese sind jedoch nicht wie üblich rechtwinklig, sondern mit abgerundeten Ecken zueinander angeordnet. Der überdachte Eingang und alle notwendigen Nebenräume sind wie eine zweite Schicht um den Kirchenraum gelegt und zeichnen sich nach außen mit rechten Winkeln ab. So entsteht in der Ansicht die Wirkung eines quaderförmigen, eingeschossigen Sockels, aus dem sich der geschwungene Baukörper entwickelt. Das wellenförmige Dach des Kirchenraumes erhebt sich gen Westen und läuft spitz in einem 20 Meter hohen Glockenturm zu.

 

Die Außenwand der Kirche am Meer ist zweischalig, bestehend aus einer innenseitig verputzten, tragenden Stahlbetonwand mit vorgehängtem Mauerwerk. Bei den eingesetzten Mauerziegeln handelt es sich um Klinker im Oldenburger Format (220 * 105 * 52 mm). Um ein möglichst ortstypisches Mauerwerk herzustellen, erfolgte der Brand in einem der letzten noch existierenden Ringöfen Deutschlands. Im Gegensatz zum heute üblichen Tunnelofen ist das Brennergebnis eines Hoffmanschen Ringofens besonders durch den Unikatcharakter jedes einzelnen Ziegels geprägt. Zusätzlich wurden die eigentlich schon fertigen Steine dann in einem speziellen Verfahren, dem Dämpfen, einem zweiten Brand ausgesetzt. Ziel beim Dämpfen ist es, dem Ziegel ein anthrazitfarbiges Aussehen zu geben. Es handelt sich beim Dämpfen nicht um eine Oberflächenbearbeitung, sondern um einen chemischen Veränderungsprozess, der den ganzen Ziegel bis in den Kern erfasst. Beim zusätzlichen Brand wird ein Kammerofen, nachdem er mit den Ziegeln beschickt wurde, komplett abgedichtet, so dass sie nur mittels des vorhandenen Sauerstoffs im Ofen selber brennen.

 

Die Klinker für die Kirche am Meer blieben vier Tage im Kammerofen bei etwa 1000°C Brenntemperatur. Gegen Ende des Brennvorgangs wurde von außen zusätzlich Kohle in den Brennraum geschüttet, um die Temperatur erneut hochzufahren, so dass der Restsauerstoff komplett verbraucht wurde. Der Sauerstoffhunger des Feuers im Brennraum führt dazu, dass dem Tonmaterial die Oxidanteile entzogen werden. Normalerweise oxidiert ein Ziegel bei ausreichender Sauerstoffversorgung des Brennraumes und enthält so seine typische rot-braune Farbe.

 

Bei der stark kohlestoffhaltigen Brennatmosphäre während des Dämpfens kommt es nicht zu diesem Oxidationsprozess, sondern zu einem Reduktionsprozess, bei dem die Umwandlung des Eisenoxids zu Eisenoxidul die angestrebte Anthrazitfarbigkeit erzeugt.

 

Die Oberfläche des hier verwendeten, gedämpften Backsteins changiert zwischen matter Bleifarbigkeit, ölig schimmernden Grün- und Blauanteilen, Salzverkrustungen, Bronzetönen und glänzenden Schwarztönen. Die eingeschüttete Kohle hinterlässt ebenfalls Spuren auf der Oberfläche. Das Backsteinmaterial für die Kirche am Meer wurde bereits in gemischter Sortierung auf Paletten angeliefert. Einige Steine wurden wegen Deformierungen und anderen Besonderheiten werksseitig aussortiert, jedoch als gewünschte Unikate im laufenden Vermauern wieder verstreut eingefügt, um die Lebendigkeit des Mauerwerks zu steigern.

 

Königs Architekten

Projektdaten

Ort: Schillig

 

Bauherr: Katholischer Kirchenfonds St. Marien

 

Architekt: Königs Architekten

 

Grundstücksfläche: 4.290 qm

 

Bebaute Fläche: 642 qm

 

Wohnfläche: 440 qm

 

Umbauter Raum: 4.397 m3

 

Anzahl Geschosse: 1 + Glockenstube

 

Bauzeit: 2009 - 2012


Ökumenisches Forum Hafencity Hamburg | Wandel Hoefer Lorch Architekten | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014