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Von der Ziegelei zum Landbad

Der Entwurf für ein Landbad entwickelt ein starkes äußeres Erscheinungsbild und kann mit seiner Konversion der alten Ziegelei als Anlehnung an die analoge Architektur verstanden werden.

Fotos © Nick Chadde (Einreichung im Rahmen des FHP 2017)

Fotos © Nick Chadde (Einreichung im Rahmen des FHP 2017)

Das Landbad Bordenau in der Alten Ziegelei ist als architektonisches Prisma auf das Ziegelhandwerk und dessen Erzeugnisse intentioniert. Ab 1850 wurden vom Betrieb der Familie Oberheu vorwiegend Formsteine zu Restaurierungszwecken von Sakral- und Profanbauten gebrannt. Seit 2003 ist der Ofen kalt.

 

 

Die Anlage liegt außerhalb des Dorfkerns am Rethmer Berg auf einer Lichtung des dichten Kiefernwaldes nahe den Leinebögen. Der Entwurf sieht eine steile Außentreppe aus vorbewittertem Baustahl vor, die sich auf die Gesamtskulptur bezieht und das Landbad auf Höhe der Baumkronen erschließt.

 

 

Über diesen Aufstieg (oder den Aufzug) gelangt man zur Rezeption, den Umkleiden und den Duschen. Ein Schwellenraum entschleunigt das Ankommen im Bad. Der Schornstein bleibt als Rückgrat im Innenraum erhalten, führt den Besucherstrom auf natürliche Weise zum Wasser im großen Becken und dient geschossweise der räumlichen Verortung. Mit dem Abstieg im Gebäude steigt die Temperatur der Räume, je näher man dem Ofen kommt. Vom zunehmend höhligen Kuppelbau aus können Nutzungen wie das Solebad oder das Dampfbad angesteuert werden. Monolithische Betonbänke ermöglichen neben der Bewegung im Wasser immer wieder das Verweilen am Schornstein.

 

Entwurfsbestimmend war hierbei die atmosphärische Annäherung an das Herzstück der Anlage: den denkmalgeschützten Zickzackofen. Gefasst hinter massiven, angeböschten Stützmauern wird das Einzelbauwerk über die Funktion einer Sauna erfahrbar gemacht. Hinter den stichbogigen Luken, wo einst die Ziegelsteine produziert wurden, findet nun das Erlebnis Landbad seinen Höhepunkt. Das Tauchbecken beendet den Rundgang durch Hochwasserbehälter und Ofen und entlässt den Badegast in die Natur oder führt zu einem weiteren Rundgang. Das Bewusstsein für die ästhetische Fügung des Materials Backstein in Architektur soll weiterhin z. B. auf Bauten wie der Christuskirche oder der Bundesbahndirektion in Hannover beruhen, bei deren Restaurierung Oberheus wassergemalte Handstrichziegel präzise Anwendung fanden.

 

Dementsprechend wurde die Aufstockung bewusst nicht mit Steinen im Reichsformat weitergebaut. Stattdessen fördert die Anwendung verwandter Materialien die Wahrnehmung der räumlichen Fassung der ehemaligen Produktionsstätte: Gewellte und glasierte Backsteinriemchen kleiden die „Bademaschine“ ein, nehmen die Vertikalität des Schornsteins mit auf und verleihen dem Bau seine Leichtigkeit. Im Inneren fungiert das Einsteinmauerwerk aus Kalksandsteinblöcken als Wärmespeicher und fasst das Raumkontinuum. Die Haptikdiskrepanz verfugt Alt und Neu und verdeutlicht die Lesbarkeit des Entwurfsprinzips.

 

Wenn klamme Erde im Feuer zum facettenreichen Baustein wird, ist klar: Stein und Wasser, das ist eine Liebesbeziehung. Um den Trias der Elemente erfahrbar zu machen und eine Retroperspektive auf den Bestand zu ermöglichen, soll neben Schützenverein und Dorfgemeinschaftshaus eine neue Anlaufstelle etabliert und dörflicher Zusammenhalt zeitgemäß konstituiert werden.

 

Nick Chadde

Objektdaten

Ort: Bordenau, Deutschland

 

Architekt: Nick Chadde

 

Grundstücksfläche: 4.652 m2

 

Bebaute Fläche: 331 m2

 

Nutzfläche: 727 m2

 

Umbauter Raum: 1.853 m3


Ökumenisches Forum Hafencity Hamburg | Wandel Hoefer Lorch Architekten | Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2014