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Themenspezial: Wohnungsbau

Startschuss für eine Wohnraumoffensive

BERLIN. In Deutschland fehlen über eine Million Wohnungen. Das birgt große sozialpolitische Sprengkraft. Und der Bedarf insbesondere an bezahlbaren Wohnungen in den Städten steigt weiter. Viele Architekten und die Wohnungswirtschaft fordern deshalb schon länger einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur weiteren Ankurbelung des Wohnungsbaus. Dabei kann der Baustoff Backstein einen wichtigen Beitrag leisten.

Das Weltquartier in Hamburg von Gerber Architekten. © Jürgen Landes (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2017 für Backstein-Architektur)

Das Weltquartier in Hamburg von Gerber Architekten. © Jürgen Landes (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2017 für Backstein-Architektur)

Im Wohnungs- und Siedlungsbau ist Kosteneffizienz – besonders im Hinblick auf die späteren Mietpreise – entscheidend. Lassen sich Großprojekte mit einer gewissen architektonischen Qualität überhaupt zu einem niedrigen Quadratmeterpreis realisieren? Diese Frage ist eindeutig mit ja zu beantworten. Ziegelbauten – das haben diverse Projekte in den vergangenen Jahren gezeigt – sind durchaus kostengünstig zu erstellen. Sie sind nachhaltig, funktional, sorgen für ein angenehmes Raumklima und erfüllen alle Anforderungen an eine zeitgemäße energetische Bauweise.

 

Kein Instandhaltungsaufwand
Denn hier kommt ein weiterer Vorteile des Baustoffs Backstein ins Spiel: Bei einer zweischaligen Wand mit Backstein entfällt jahrzehntelang jeglicher Instandhaltungsaufwand. Bereits beim Bau des Hauses lässt sich somit auf Wirtschaftlichkeit achten. Das spart bares Geld.

 

Weil Wartungskosten wegfallen, erhält eine Immobilie mit zweischaliger Wand und Backsteinfassade zudem ihren Wert über viele Jahrzehnte, und zwar ohne jede weitere Investition. Denn eine solche Fassade altert mit Würde – ohne an optischer Qualität einzubüßen.

 

Vorbild Niederlande
Die auffallend niedrigen Kosten bei vielen Backstein-Neubauten in den Niederlanden sind übrigens auch auf Normierung, Rationalisierungs- maßnahmen und geringere Anforderungen in einigen Baunormen zurückzuführen. Auch darüber ließe sich bei uns in Zeiten dramatischer Wohnungsknappheit diskutieren. Unsere westlichen Nachbarn jedenfalls agieren hier deutlich pragmatischer. In Deutschland indes steigen die Baugenehmigungszahlen für Wohnungen viel zu langsam, die Dynamik bei den Genehmigungen nimmt insgesamt sogar wieder ab. Das ist aus den kürzlich veröffentlichten Baugenehmigungszahlen des Statistischen Bundesamts herauszulesen.

 

Lücke wird immer größer
Und der Handlungsdruck steigt, denn die notwendigen 400.000 Wohnungen, die pro Jahr in Deutschland gebaut werden müssen, wurden zu keiner Zeit erreicht. 2017 wurden nur rund 319.000 Wohneinheiten fertiggestellt, auch 2018 wird die Zielmarke deutlich verfehlt werden. Vor allem in Großstädten fehlt Wohnraum, die hohen Mieten können sich viele Menschen kaum noch leisten. Das birgt sozialen Sprengstoff.

 

Die bundesweiten Baufertigstellungszahlen zeigen: Der Mietwohnungs-neubau in den beliebten Ballungsregionen reicht vorne und hinten nicht, der Druck auf den Wohnungsmärkten bleibt immens. Nötig ist ein echtes Neubauklima; das zu schaffen, muss für Bürgermeister Chefsache und Lokalpolitiker Priorität Nummer eins sein. Ebenso wichtig: Es muss bezahlbarer Wohnraum her.

 

Die Hauptforderungen vieler Experten:

  •  Änderungen bei den Baustandards, dem Bau- und Planungsrecht und bestimmten Genehmigungsverfahren, um Hemmnisse abzubauen und den Wohnungsbau für alle voranzutreiben.
  • Den sozialen Wohnungsbau wieder stärker ankurbeln.
  • Die Verdichtung bestimmter Stadtviertel erleichtern.
  • Steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, eine Herabsetzung der Grunderwerbssteuer für Wohnungsbauvorhaben und eine verlässliche Förderung.
  • Private Investoren motivieren. Private Haushalte sind Eigentümer von mehr als zwei Dritteln des deutschen Wohnungsbestands.
  • Anreize für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum schaffen.
  • Spekulationsgewinne bei unbebauten Grundstücken stärker besteuern.

 

Mehr Gestaltungsfreiraum
Bau- und Wohnungswirtschaft fordern weiterhin eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Kommunen, um die schnelle Abwicklung aller Prozesse von der Baulandausweisung bis hin zur Brandschutzprüfung sicherzustellen. Der Erfolg im Wohnungsbau hängt stark von den Partnern in der Verwaltung ab. Neben einer guten Ausstattung ist auch Gestaltungsfreiraum für die Kommunen wichtig. Sonst wird der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in vielen Großstädten zum größten sozialen Konfliktstoff unserer Zeit.

Neue Ortsmitte Wettstetten | Bembé Dellinger Architekten | Einreichung im Namen des Fritz-Höger-Preises 2014