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Pressespiegel

BundesBauBlatt 12/2009

Wohnen zwischen Denkmälern

Inmitten der Kölner Innenstadt hat das Erzbistum Köln ein Mehrfamilienhaus mit besonderem Anspruch gebaut. Nicht nur, dass es in einer nicht einfach zu bebauenden Baulücke zwischen zwei denkmalgeschützten Gebäuden steht. Auch der Ausblick auf den Dom und die Nachbarschaft zum ausgezeichneten Ziegel-Museumsbau „Kolumba“, geben ihm eine besondere Note.

Zur Domstraße hin wurde ein Erker angelegt, der aus der Fassade nach außen schwingt.
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<br />Architekt: Wolfgang Felder, Architekturbüro Felder, Köln
<br />Bauherr: Erzbistum Köln
<br />Fotograf: Christian Richters
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Zur Domstraße hin wurde ein Erker angelegt, der aus der Fassade nach außen schwingt.

Architekt: Wolfgang Felder, Architekturbüro Felder, Köln
Bauherr: Erzbistum Köln
Fotograf: Christian Richters

Im neu errichteten Wohnhaus an der Ecke Domstraße/Jakordenstraße sind 15 Wohneinheiten untergebracht. Ziel des Bauherrn war es, möglichst unterschiedliche Wohnungsgrößen zu schaffen. Entstanden ist eine gute Mischung aus Ein- und Dreizimmerwohnungen, teilweise mit Wintergärten in den ersten vier Geschossen, sowie einer Maisonette- und Patiowohnung in den obersten Geschossen. Das Haus bewohnen dementsprechend auch alle Generationen, von Rentnern über Paare und Singles bis hin zu Familien mit älteren und jüngeren Kindern.

Ein besonderes Konzept für einen besonderen Ort
Das Grundstück befand sich seit dem Mittelalter in unbebautem Zustand. Eine wahre Rarität inmitten der Kölner Innenstadt. Da es sich um ein Eckgrundstück handelte, war eine ungewöhnliche Eingangssituation der zwei separat erschlossenen Häuser notwendig. Ein Einspänner liegt auf der linken Seite und ein Zweispänner auf der rechten. Bei der Planung wurde hinsichtlich Grundriss und Lageplan versucht, einen Kompromiss zwischen der vom Bauherrn gewünschten konventionellen Grundrisslösung und einer sich dem Licht öffnenden Wohnsituation trotz Übereckbebauung und Ost- West-Lage zu schaffen. Es war daher eine nicht einfache Aufgabe, helle Wohnungen mit genügend Lichteinfall zu konzipieren. Zur Domstraße hin wurde ein geschwungener Erker angelegt, der aus der Fassade nach außen schwingt. Zwischen dem benachbarten Jugendstilhaus und dem Neubau schafft eine Glasfuge eine Wintergarten ähnliche Situation für die Wohnungen. Ein Lichthof im Treppenhaus versorgt die Wohnungen zusätzlich mit natürlichem Licht. Zum Innenhof hin lassen raumhohe Verglasungen viel Helligkeit in die Wohnräume. Im Dachgeschoss befindet sich ein stimmungsvoller Patio, zu dem ein vollkommen verglaster Schlaf- und Badbereich gehört.

Der warmgraue Backstein des massiven Gebäudes verbindet sich harmonisch mit der umgebenden Bebauung. Die Eingänge werden durch ein zurück schwingendes Ziegelband markiert und geben den Durchblick zum begrünten Innenhof frei. Das Motiv vom Ziegel und Terrazzoboden zieht sich von außen nach innen durch. Laut Architekt Wolfgang Felder überzeugte der Backstein als Fassadenmaterial aus folgenden Gründen: „Unsere Aufgabenstellung war unter anderem ein Haus zu konzipieren, in dem man gerne wohnt. Der ausgewählte graue Ziegel bietet eine ausgesprochen sympathische Oberfläche und ermöglicht es, mit seiner lebendigen Ausstrahlung auf den besonderen Ort respektvoll und sensibel zu reagieren.“

Ursprünglich sah die bauliche Vorgabe aufgrund der denkmalgeschützten Nachbarbauten ein Satteldach vor. Nach eingehender Diskussion konnte der Architekt das geplante Flachdach durchsetzen, mit durchweg positiver Resonanz aus der Nachbarschaft. Um nachts dem Nutzer einen freundlichen Empfang zu geben, wurden die Eingänge mit einer ansprechenden Lichtarchitektur versehen.

Leitfaden „Ökologisches Bauen für Neu- und Umbauten“
Um Respekt und Verantwortung ging es nicht nur dem Architekten bei der Auswahl des Fassadenmaterials. Auch der Bauherr setzte sich diese Maxime bei der gesamten Planung und Realisierung dieses Wohnhauses. Wie bei allen Bauvorhaben des Erzbistums Köln orientieren sich die Beteiligten an dem eigens entwickelten „Leitfaden zur Berücksichtigung ökologischer und energiesparender Gesichtspunkte bei Neu- und Umbauten“. Das Erzbistum hat sich zum Ziel gesetzt, eine Vorbildfunktion aus Verantwortung für nachfolgende Generationen zu übernehmen und engagiert sich an neuen, ökologisch verträglichen und ressourcenschonenden Modellen. Selbstverständlich ist daher, dass dieser Leitfaden zum Tragen kommt, wenn das Erzbistum zum Bauherren wird. Er soll die Bauregeln unter weitestgehender Berücksichtigung ökologischer Aspekte praxisgerecht ergänzen und die Planung dahin gehend unterstützen.

Hilfreich für den Bauherren und den Architekten beim Planungsprozess sind die Checklisten. Sie helfen zur richtigen Zeit ökologisch relevante Punkte zu bedenken, die richtigen Handlungsschritte einzuleiten und die notwendigen Fachleute einzuschalten.

Das fängt schon bei der Projektvorbereitung an, in der viele Fragen geklärt werden müssen: Welcher Energie- und Stoffverbrauch ist zu erwarten? Wie lassen sich Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen reduzieren? Welche staatlichen Fördermöglichkeiten lassen sich für die Finanzierung nutzen? Welcher Architekt mit ökologisch fundiertem Fachwissen kommt in Frage? Ist die Einbindung erneuerbarer Energien möglich? Im weiteren Verlauf kommen Aspekte wie Wassereinsparung, Abfall- und Recycling, ökologisch sinnvolle Gestaltung der Außenanlagen und viele weitere Punkte zum Tragen. Mit dem hellen Klinkerbau ist es dem Erzbistum Köln gelungen, mitten in der Kölner Innenstadt ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Wohnhaus mit hohem Wohnwert zu bauen. Auf Grundlage des Leitfadens setzte das Erzbistum Köln auch das Bauvorhaben in der Jakordenstraße im Sinne der Nachhaltigkeit um. Der zweischalige Wandaufbau mit Kerndämmung sorgt für niedrige Energiewerte noch nach EnEV 2002. Es wurden zudem keine schadstoffbelasteten Materialien eingebaut. Die in den Wohnungen verlegten Parkettfußböden sind natürlich gewachst worden; in den Verkehrsbereichen wurde Terrazzoboden verlegt. Farben und Innenputz sind auf mineralischer Basis hergestellt. Gemäß der Himmelsrichtung wurde für die Nutzung passiver Energie die Südseite so weit wie möglich geöffnet. Statt Trockenwände wurden nach Möglichkeit speichernde Massivwände gebaut. Die Fassade ist zum Norden hin relativ geschlossen gehalten. Der Wandaufbau besteht im Inneren je nach statischer Anforderung aus einer Betonschale bzw. Bimsmauerwerk. Eine 1416 cm starke Kerndämmung wird außen von einem Ziegelmauerwerk ergänzt.

Gerhild Bellinghausen


Architekt
Wolfgang Felder, Architekturbüro Felder, Köln
http://www.architekturbuerofelder.de

BundesBauBlatt
Die monatlich erscheinende Fachzeitschrift wird durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen herausgegeben wird.
http://www.bundesbaublatt.de

http://www.bundesbaublatt.de/artikel/bbb_Wohnen_zwischen_Denkmaelern_785420.html

 

BundesBauBlatt 12/2009

Hintergrundbild: Geschäfts- und Bürogebäude Domstraße, schenk+waiblinger architekten, Hamburg; Foto © schenk+waiblinger (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2011)