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Pressespiegel

Schöner Wohnen im Park in Hamburg

Baugemeinschaften: Genossenschaftsmitglieder und Privateigentümer in einem Projekt

Der Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG geht neue Wege: Gemeinsam mit einer privaten Baugemeinschaft hat die Genossenschaft ein qualitätsvolles, energiesparendes und nachhaltiges Wohngebäude mit Backsteinfassade errichtet. „Wohnen im Park“ (W. i. P.), das sind 14 Mitglieder der genossenschaftlich verwalteten Wohnungen auf der einen Seite und zehn private Eigentümer auf der anderen. Sie leben ein besonderes Kooperationskonzept, das für alle Beteiligten Vorteile bringt. Das Neubau-Wohnprojekt W. i. P. wurde als Beitrag zum Fritz-Höger-Preis 2008 für Backsteinarchitektur eingereicht.
 

Wohnen im Park: Auf dem parkähnlichen ehemaligen Krankenhausgelände baute die Baugemeinschaft W.i.P. gemeinsam mit dem Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG.
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Wohnen im Park: Auf dem parkähnlichen ehemaligen Krankenhausgelände baute die Baugemeinschaft W.i.P. gemeinsam mit dem Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG.

Am Anfang stand die Idee, dass sich Menschen unterschiedlichen Alters und Familiensituationen zu einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt zusammenschließen. Nicht alle Mitglieder der Gruppe konnten das nötige Kapital für die Finanzierung einer Eigentumswohnung aufbringen. Gesucht wurde daher ein zuverlässiger Partner, der das Projekt mitfinanziert sowie Mitbestimmung und Selbstverwaltung garantiert. Über die Hamburger Agentur für Baugemeinschaften kam der Kontakt zum Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG zustande. Nach vielen Gesprächen war man sich einig, dass man das Projekt gemeinsam realisieren wollte.

Nachhaltige Architektur
Im neu entstehenden Parkquartier Friedrichsberg im Hamburger Stadtteil Barmbek-Süd, mit sehr guter städtischer Infrastruktur und viel Grün, kauften die Genossenschaft und die Eigentümergemeinschaft Erika-Mann-Bogen zwei nebeneinanderliegende Grundstücke. Seit 2007 entsteht auf ehemaligen Flächen des Krankenhauses Eilbek das größte zusammenhängende Wohnquartier für Baugemeinschaften mit individueller Architektur. Auf dem parkähnlichen Gelände mit altem Baumbestand realisieren zehn Baugemeinschaften unterschiedlichster Zielsetzungen und Wohnansprüche ihren Traum vom gemeinschaftlichen Eigenheim. Das Haus von W. i. P. ist sowohl für Alleinstehende jeden Alters konzipiert als auch für junge Familien mit Kindern, die sich bezahlbaren Wohnraum in der Stadt wünschen. Es steht im westlichen Teil des Areals, direkt an den Park angrenzend.

Neben einer allein stehenden imposanten Rotbuche ist ein L-förmiges Gebäude mit zwei Baukörpern entstanden. Die Themen Energieeinsparung, nachhaltige und umweltfreundliche Materialien standen ganz oben auf der Kriterienliste, die das Haus erfüllen sollte. Realisiert wurde das Haus 1 der Genossenschaft im KfW-60-Standard und das Haus 2 der Eigentümergemeinschaft im KfW-40-Standard. Ein großer Gemeinschaftsraum zum Wohn- und Spielhof hin dient als Treffpunkt. Er kann sowohl für gemeinsame Veranstaltungen als auch durch einzelne Bewohner für Feiern oder als Gästewohnung genutzt werden. Rechtlich gesehen, ist der Gemeinschaftsraum eine Eigentumswohnung, die dem Trägerverein gehört. Die Finanzierung erfolgt durch alle Beteiligten: Mieter, Eigentümer und Genossenschaft. Die Hochbauplanung des Wohnprojektes erarbeitete das Architekturbüro Dohse + Stich. Das Haus sollte nach außen Offenheit und Vielschichtigkeit vermitteln. Die Kommunikation sollte durch intelligente Grundrissplanung und freundliche, natürliche Materialien unterstützt werden.

Gemein ist allen Häusern im Quartier Friedrichsberg, dass hier Werterhalt und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Daher war eine der Vorgaben die Berücksichtigung des Fassadenmaterials Backstein. Der für Hamburg charakteristische Fassadenbaustoff zeichnet sich durch seine besonders lange Lebensdauer und Widerstandsfähigkeit aus. Der Genossenschaft kam diese Vorgabe sehr entgegen, da sie aus Gründen des Werterhalts generell gerne mit Backstein baut. „Als Genossenschaft denken wir langfristig, da wir die Gebäude ja nicht verkaufen. Daher sind die meisten unserer Wohngebäude auch verklinkert“, sagt Holger Fehrmann, Vorstandsmitglied des
Wohnungsvereins Hamburg von 1902 eG.

Genossenschaft als zuverlässiger Partner
Der Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG bewirtschaftet für seine rund 2.700 Mitglieder einen eigenen Wohnungsbestand von mehr als 2.300 Wohnungenim Großraum Hamburg. Die 14 Wohnungen dieses Gemeinschaftsprojekts sind eine Ausnahme. „Normalerweise versuchen wir größer zu bauen, allein aus wirtschaftlichen Gründen“, erklärt Holger Fehrmann. „Die tolle Lage und die Wohnform überzeugte uns aber von vorneherein, so dass wir gerne als Partner zur Verfügung standen.“

Dass der Wohnungsverein offen für eine Zusammenarbeit mit privaten Baugemeinschaften war, liegt an der Innovationsfreude der Genossenschaft. „Wir wollen über den Standardwohnraum hinaus bewusst offen sein für neue Wohnformen“, betont er. Daher hat der Wohnungsverein neben „Wohnen im Park“ noch mit einer zweiten Baugemeinschaft namens „Arche Nora“ im Parkquartier Friedrichsberg gebaut. Frauen im dritten Lebensabschnitt, die sich gegenseitig unterstützen und füreinander da sein möchten, haben die 14 Wohnungen bereits im April 2008 bezogen. Weil die Zusammenarbeit mit beiden Baugemeinschaften so gut geklappt hat, will der Wohnungsverein auch in Zukunft für derartige Projekte offen sein: „Wir denken, dass Baugemeinschaften sehr gut zum Selbsthilfegedanken der Genossenschaften passen“, meint Holger Fehrmann. Daher haben derartige Projekte sicherlich Zukunft.

Von der Planung zur Verwaltung
Die Zusammenarbeit zwischen der Baugemeinschaft W. i. P. und dem Wohnungsverein bedeutete für beide Seiten eine spürbare Umstellung. Wo die Genossenschaft normalerweise nur baut und vermietet, galt es nun über verschiedene Punkte mit den späteren Bewohnern zu diskutieren, sowie Vor- und Nachteile abzuwägen. Auch für die Baugemeinschaft – die späteren Mieter und Eigentümer – bedeuteten die Prozesse der Einigung und Kompromissfindung mit der Genossenschaft zunächst einen Mehraufwand. Die Planungsphase erstreckte sich über zwei Jahre. Da die meisten Mitglieder der Baugemeinschaft berufstätig waren, mussten die Arbeits- und Abstimmungstreffen in die Abendstunden verlegt werden. Die Bauphase verlief dagegen sehr zügig. Hier profitierte die Baugemeinschaft von der Professionalität der Genossenschaft, was sich insbesondere auch auf die Qualität der Bauausführung der Eigentumswohnungen positiv auswirkte.

Die Mischung aus genossenschaftlich verwalteten Wohnungen, das heißt Mietern als Bewohner auf der einen Seite und den Eigentümern auf der anderen Seite, birgt grundsätzlich die Gefahr der Zweiklassengesellschaft oder einer möglichen Bevormundung. Prinzipiell hat jedoch jeder Bewohner die gleichen Rechte und Pflichten. Um dafür Sorge zu tragen, wurde der Trägerverein „W. i. P. – Wohnen im Park“ gegründet, in dem alle Eigentümer, Mieter und die Genossenschaft Mitglied sind. Zwischen Eigentümern, Mietern und Genossenschaft gibt es einen Kooperationsvertrag, der Modalitäten wie Vermietung, Pflege der Außenanlagen und vieles mehr regelt. Einmal im Jahr findet ein Treffen zwischen einem Vertreter der Genossenschaft und allen Bewohnern statt, um den gemeinsamen Kontakt aufrechtzuerhalten.

Dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert, liegt für Mario Stoltz, einer der W. i. P.-Eigentümer, an dem guten Miteinander: „Wir sind alle kompromissbereit und daher eine Gemeinschaft, in der keine Partei verbissen an ihrem Standpunkt festhält.“ Wichtig sei der Wille, etwas zu organisieren, und die Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen. Miteinander zu reden, anstatt übereinander, ist eine der Maximen der Hausgemeinschaft. Heute freuen sich alle Beteiligten über das tolle Ergebnis: bezahlbarer Wohnraum in der Stadt, den jedes Mitglied mitgestalten kann, egal ob er Eigentümer ist oder Mieter.

Hamburg Vorreiter für Wohnprojekte
Dass Baugemeinschaften boomen, zeigt das Beispiel Hamburg: Hier sind allein zwischen 2002 und 2009 fast 1.000 Wohnungen in 53 Wohnprojekten entstanden. Die Hansestadt gilt als Vorreiter für Wohnprojekte. Die Gründung von Baugemeinschaften und Wohnprojekten in privatem und genossenschaftlichem Eigentum zu unterstützen, ist Teil der zukunftsorientierten Standortpolitik. Seit 2003 existiert mit der Agentur für Baugemeinschaften eine zentrale Anlaufstelle für Menschen, die gemeinschaftlich bauen wollen. Die Stadt will damit soziale Ankerpunkte in den Quartieren schaffen und zukunftsfähige Wohnkonzepte für junge und alte Menschen entwickeln. Sie erhofft sich dadurch, eine Abwanderung ins Umland zu verhindern. Ein gewünschter Effekt soll die Verbesserung des öffentlichen Raums sein, weswegen auch bauliche Ziele wie qualitätsvolles Bauen gefördert werden.

Gerhild Bellinghausen


Architekt
DOHSE ARCHITEKTEN, Hamburg
http://www.dohse-stich.de

DW Die Wohnungswirtschaft
DW Die Wohnungswirtschaft steht für Informationen rund ums Wohnen aus Politik, Verbänden und Unternehmen.
http://www.hammonia.de

 

DW Die Wohnungswirtschaft - Februar 2010

Hintergrundbild: Geschäfts- und Bürogebäude Domstraße, schenk+waiblinger architekten, Hamburg; Foto © schenk+waiblinger (Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2011)